Die Awo setzt im Melsunger Horst-Schmidt-Haus auf Hausgemeinschaften für Senioren

Das Leben bietet noch was

Teamarbeit ist gefragt: Mitarbeiterin Angela Petrosianz und Bewohnerin Martha Stein (95) arbeiten im Melsunger Horst-Schmidt-Haus der Awo zusammen in der Küche. Fotos:  Brandau

Melsungen. Martha Stein ist sich sicher: Sie hat in ihrem Leben mindestens eine Tonne Kartoffeln geschält. „Wir waren daheim sechs Geschwister, mein Vater war Bergmann – da musste ich schon als Kind in der Küche mithelfen.“

In einer Küche macht sich die 95-Jährige noch heute nützlich: Martha Stein geht Angela Petrosianz zur Hand, wenn die Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt (Awo) das Essen für die Hausgemeinschaft im Horst-Schmidt-Haus zubereitet. „Das Kartoffelschälen geht mir noch immer wie verrückt von der Hand“, sagt die Seniorin.

Das neue Konzept der Hausgemeinschaften kommt bei Martha Stein gut an. Je 15 Männer und Frauen bilden im neuen Anbau des Horst-Schmidt-Hauses in der Lindenbergstraße eine feste Gruppe. Sie verfügen über eigene Zimmer, die sie nach je Geschmack selbst einrichten können und nutzen eine gemeinsame luftig-helle Wohnküche. „Wir setzen vor allem auf die Gemeinschaft“, sagt Geschäftsführer Michael Schmidt. Menschen seien nun mal keine Einzel-, sondern Gemeinschaftswesen.

„Wir setzen vor allem auf Gemeinschaft.“

Die Hausgemeinschaft im Horst-Schmidt-Haus soll diese Sippe darstellen. Gerade für ältere Menschen mit Demenz sei eine feste Gruppe und die damit verbundene Sicherheit wichtig, sagt Einrichtungsleiterin Teresa Dylong. Der dreistöckige Anbau bietet Platz für drei Hausgemeinschaften. Der Tagesablauf richtet sich nach den persönlichen Bedürfnissen der Bewohner: „Wir sind ja keine Jugendherberge mit festen Regeln“, betont Michael Schmidt.

Wer also will, kann wie Martha Stein Kartoffeln schälen, mit den Mitarbeitern kochen, Suppe rühren, Handtücher falten, Wäsche bügeln – also genau das tun, was er tun kann oder will, um sich einzubringen oder sich selbst zu versorgen. Genau diese Fähigkeit, das Vermögen, für sich selbst zu sorgen, wollen Teresa Dylong und ihre Mitarbeiterinnen so lange wie es nur geht fördern und aufrecht erhalten.

Die neuen Hausgemeinschaften – im neu errichteten Anbau sind bereits zwei Stockwerke fertig, das dritte wird im November eröffnet – richten sich an alle Menschen mit Pflegebedürftigkeit. Vor allem aber an Demenzerkrankte.

Demenz wird Volkskrankheit

1,3 Millionen Menschen im Land sind an Alzheimer erkrankt. Diese Zahl, sagt Michael Schmidt, werde sich bis 2030 verdoppeln: „Demenz wird zur Volkskrankheit. Die Chancen davon betroffen zu werden, steht für uns alle hoch – als Erkrankter oder Angehöriger.“

Quelle: HNA

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