Viel Verkehr am Körler Berg: Ein Leben an der Rennstrecke

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Dieser Laster hält sich ans Tempolimit am Körler Berg: Aber das sei die Ausnahme, sagen die Anwohner Gerhard Horn, Marion Wilm, Helmut Rohde, Stefan Richter und Walter Wilm (von links).

Körle. Die Anwohner am Körler Berg leiden schon lange unter dem vielen Verkehr, der Richtung Kassel den Weg über Körle nimmt. Doch seitdem die Bundesstraße 83 zwischen Körle und Guxhagen wegen der Brückenbauarbeiten in Grebenau gesperrt ist, ist es noch schlimmer geworden, berichten sie.

„Momentan ist das eine Katastrophe“, sagt Gerhard Horn, der in einem Haus in der Straße Am Hang wohnt - diese liegt direkt oberhalb der Durchfahrtsstraße. „Wir sind 20 Meter entfernt und bekommen alles mit“, schildert Horn.

Ähnlich ergeht es auch Horns Nachbarn Walter Wilm: „Das ist hier eine Rennstrecke. Wir können nicht mehr draußen sitzen“, sagt er, und seine Frau Marion ergänzt: „Es ist eigentlich nie richtig Ruhe.“

Besonders stark sei der Verkehr morgens ab vier bis neun Uhr, berichtet Anwohner Stefan Richter, und dann wieder am Spätnachmittag und Abend. „Selbst die Bewohner in der Kasseler Straße beschweren sich mittlerweile über den Lärm“, erzählt er. Dabei liegt die Kasseler Straße deutlich geschützter als die Straße Am Hang.

„Die Sperrung der B 83 hat das Problem verstärkt."

Zwar wird der Verkehr wohl wieder etwas abnehmen, wenn die B 83 Ende des Jahres freigegeben wird. „Aber die Sperrung hat ja nur ein Problem verstärkt, das vorher schon da war“, sagt Walter Wilm.

Ursache der Raserei am Körler Berg ist aus Sicht der Anwohner die zweispurige Straße, die zum Überholen animiert - denn dabei überschreiten viele Fahrzeuge die innerorts vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer. „Innerorts gilt das Überholverbot“, sagt Stefan Richter, „viele Fahrer missachten hier die Verkehrsregeln.“ Besonders schlimm seien die Motorräder: „Die knallen hier am Wochenende mit 160 Sachen hoch.“

Auch die Gemeinde Körle hat das Problem erkannt und deshalb vom Ordnungsamt eine Hinweistafel aufstellen lassen. Diese zeigt den vorbeifahrenden Autofahrer an, wie schnell sie unterwegs sind. „Ich habe den Eindruck, dass das auch schon etwas bewirkt hat“, sagt Bürgermeister Mario Gerhold.

Doch die Tafel ist lediglich eine Ermahnung: Konsequenzen drohen den Rasern nicht, da sie nicht erfasst werden. „Das bringt nichts“, ist Stefan Richter überzeugt. Aus Sicht der Anwohner wäre es deshalb sinnvoll, auf der Strecke einen Blitzer aufzustellen. Das aber ist vorerst nicht in Planung, sagte Bürgermeister Gerhold auf HNA-Anfrage: „Solange das Schild Wirkung zeigt, muss man nicht ohne Not ein Bußgeld erheben.“

Das sehen die Anwohner allerdings anders: „Diese Menschen sind so rücksichtslos - die kriegt man nur über den Geldbeutel“, sagt Helmut Rohde. Wie zum Beweis fährt in diesem Moment ein schwarzer Sportwagen vorbei, eindeutig zu schnell. Als ihm die Anwohner winken und auf das Tempolimit hinweisen, zeigt er ihnen den Mittelfinger - und düst weiter.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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