Barbelies Schäfer unterrichtete 40 Jahre lang Schwälmer Weißstickerei an der vhs

Ein Leben für die Stickerei

Tradition verpflichtet: Barbelies Schäfer unterrichtete 40 Jahre lang Schwälmer Weißstickerei an der Volkshochschule im Schwalm-Eder-Kreis. Foto: Mangold

Fritzlar. Vier Jahrzehnte lang gab sie Kurse in traditioneller Schwälmer Weißstickerei an der Volkshochschule (vhs). Nun reichte sie die Nadel weiter an ihre Nachfolgerinnen.

Barbelies Schäfer aus Willingshausen wurde von der vhs im Dorfgemeinschaftshaus in Cappel verabschiedet. „Sie haben Volkshochschule gelebt“, sagte Franz Drescher, Leiter der Volkshochschule. Es sei außergewöhnlich, dass Barbelies Schäfer 40 Jahre lang Stickunterricht gegeben habe und viele ihrer Teilnehmerinnen die Kurse über Jahrzehnte besucht hatten.

„Die Schwälmer Weißstickerei ist etwas Besonderes, ein einzigartiges Kulturgut in unserer Region.“

Erika Koch

So lernten auch ihre beiden Nachfolgerinnen, Brigitte Braun und Regina Wickert, die Kunst des Weißstickens. „Die Schwälmer Weißstickerei ist etwas Besonderes, ein einzigartiges Kulturgut in unserer Region“, sagte Erika Koch von der vhs. Es sei schön, dass auf diese Weise das Kulturgut weitergegeben werde und nicht verloren gehe.

Bei der komplizierten Stickerei gibt es unzählige verschiedene Möglichkeiten, den Faden zu ziehen und Stiche zu setzen, ganz abgesehen von den vielen verschiedenen Stoffen und Motiven: „So wird das Sticken nie eintönig“, erklärte Brigitte Braun den Reiz der Handarbeit.

Typische Motive für die Schwälmer Stickerei sind Herzen, Tulpen, Täubchen, Körbchen, Kronen, Blumen und Ranken. Die Finessen der Trachtenstickerei habe sie in der dritten Klasse in der Willingshäuser Grundschule gelernt, erinnerte sich Barbelies Schäfer. Ihrer Mutter habe sie es zu verdanken, dass sie auch nach dem Handarbeitsunterricht dabei geblieben sei. Während ihrer Ausbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin sei im Winter auch immer viel Zeit zum Sticken gewesen. Die gebürtige Willingshäuserin, die zu Hause im landwirtschaftlichen Betrieb auch Hauswirtschaftlerinnen ausbildete, war viele Jahre aktiv im Landfrauenverein und machte mit bei Ausstellungen der Schwälmer Stickerei. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und eine Enkeltochter. Doch für das Sticken war immer Zeit, das begleitete sie ihr ganzes Leben lang. Auch heute noch freue sie sich, wenn sie am Abend ihre Hausarbeit beendet und Zeit zum Handarbeiten habe.

Trotz der Sorgfalt, die die Weißstickerei erfordere, sei das Sticken für sie entspannend. „Man hat die Arbeit ständig zur Hand“, erklärte sie. Rund 1500 Stunden Arbeit steckten in einer bestickten Tischdecke.

Ihre Tätigkeit in der Volkshochschule werde sie vermissen, meinte die 79-Jährige. Es sei schön gewesen, durch die Kurse auch mal raus zu kommen, auch seien durch die langjährige Zusammenarbeit viele Kontakte entstanden. Mit einem Kurs ist sie sogar nach Spanien zum Sticken gefahren.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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