Ihr Leben wird zum Drehbuch: Felsberger Jugendliche produzieren Film

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Diese Szene am Felsberger Jugendzentrum ist zum Glück nur gespielt: Jasmin Bode hat Vanessa Schmidt mit dem Auto angefahren und will ihr zu Hilfe eilen. Gefilmt wird das von Tatjana Koplack, um den Ton kümmern sich Nadine Dabelstein und Jessica Knaak.

Felsberg. Jugendliche in Felsberg drehen einen Film - und stehen dabei sowohl vor als auch hinter der Kamera. Für ein paar Tage sind sie Drehbuchautoren, Regisseure, Kameraleute und Schauspieler zugleich.

Der Mann auf dem Traktor guckt erstaunt, als er am Felsberger Jugendzentrum vorbeifährt: Eine Gruppe Jugendlicher steht auf der Straße, ausgerüstet mit Kamera und Mikrofon. „Ja, wir drehen einen Film", ruft ihm Vanessa Schmidt hinterher. Schmidt und acht weitere Jugendliche sind für ein paar Tage Drehbuchautoren, Regisseure, Kameraleute und Schauspieler zugleich: Sie machen bei einem Filmprojekt mit, das vom Jugendzentrum in Zusammenarbeit mit der Medienwerkstatt der Universität Kassel angeboten wird.

„Das Thema des Films lautet ‘Rücksichtslos’“, erzählt Teilnehmerin Jessica Csillig. Dazu hat jeder der Jugendlichen ein Erlebnis aufgeschrieben, das zum Thema passt: eine Situation, in der er rücksichtslos behandelt wurde - oder gehandelt hat. Aus diesen Erlebnissen hat die Gruppe ein Drehbuch geschrieben, das sich mit Rassismus, Gewalt und Mobbing befasst.

„Dafür braucht man viel Vertrauen innerhalb der Gruppe“, sagt Diakonin Anette Schindehütte-Lange, die das Filmprojekt am Jugendzentrum zusammen mit Dr. Reinhard Nolle, Medienpädagoge an der Universität Kassel organisiert hat. „Im Film spielt aber keiner der Jugendlichen seine eigene Geschichte“, sagt Reinhard Nolle. Das sei wichtig, damit die Teilnehmer überhaupt den Mut hätten, sich zu öffnen. Vier Tage haben die Jugendlichen am Drehbuch gearbeitet, fünf bis sechs Tage dauern die Dreharbeiten.

Eine Herausforderung war der Altersunterschied der Jugendlichen, sagt Vanessa Schmidt: „Das ist schon schwierig, wenn eine 19-Jährige eine Szene mit einem 14-Jährigen spielen soll.“

Drehen bis 3 Uhr morgens 

Doch die Jugendlichen mussten als Team arbeiten, damit am Ende tatsächlich ein Film entstehen konnte. Das haben die Teilnehmer auch ernst genommen - obwohl die Dreharbeiten manchmal bis drei Uhr morgens dauerten. „Es war super, dass jeder mal mit Kamera und Ton arbeiten durfte“, sagt Jessica Knaak. „Man ist auf jeden Fall um eine Erfahrung reicher“, fasst Jessica Csillig zusammen.

Zuviel von der Handlung des Films wollen die Jugendlichen nicht verraten: Ein Mädchen wird gemobbt, weil ihr Freund Ausländer ist. Die Situation eskaliert. „Wir machen keinen Kinderfilm“, betont Reinhard Nolle. Erwachsenenrollen - zum Beispiel Polizisten oder Sanitäter - werden deshalb im Film von erwachsenen Statisten übernommen. Die Jugendlichen sollen das darstellen, was sie sind: Jugendliche eben.

Der fertige Film soll auch öffentlich gezeigt werden - ein Termin steht aber noch nicht fest.

Filmprojekte zur Gewaltprävention organisiert der Medienpädagoge Dr. Reinhard Nolle seit Jahren in vielen Städten und Gemeinden in der Region. Aktuell laufen vier solcher Projekte im Schwalm-Eder-Kreis. Finanziert werden die Projekte von der Landesanstalt für privaten Rundfunk und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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