Gemeinschaft und Tradition werden im Schwälmer Dörfchen hoch gehalten

Rörshain bemüht sich um Lebensqualität in der Idylle

Beim Rundgang: Von links Werner Schäfer, Torsten Heck und Paul Fenner.

Rörshain. Die kleine Fachwerkkirche sieht so gepflegt wie uralt aus, dabei lag sie in Schutt und Asche. Der einzige Bombenangriff in der Schwalm riss am 12. März 1945 fünf Menschen in Tod und zerstörte das Gotteshaus.

Die in Sandstein gemeißelte Inschrift, dass amerikanische Flieger das Unheil brachten, verhüllten die Rörshainer später vorsichtshalber. Man fürchtete, dass die während des Kalten Krieges bei Rörshain stationierten US-Militärs diese Wahrheit übel nehmen könnten, erzählt beim Rundgang Alt-Ortsvorsteher Werner Schäfer.

Der 68-Jährige stammt aus dem Schwälmer Dörfchen, das heute zu Schwalmstadt gehört, absolvierte hier unter Lehrer Asborn alle acht Schuljahre und kann sich das Leben anderswo nicht vorstellen. Zusammen mit Ortsvorsteher Torsten Heck freut er sich, dass derzeit wieder investiert wird in die Häusern und Anwesen. Dass Rörshain schön ist, zeigen schon die Gemälde, die im DGH die Wände zieren. Besonders der Landsburgblick mit dem Kellerwald dahinter inspiriert immer wieder Künstler. Einer von ihnen, Werner Dirlam, ist sogar ein Rörshainer. Aber auch Leerstandsprobleme gibt es natürlich.

275 Männer, Frauen und Kinder gehören zum Ort, die Wolfhain Siedlung mit ihren Ex-Wach- und Militärhäusern und ihren Siedler- und Aussiedlergebäuden eingerechnet. Ursprung der Siedlung ist der 1940 angelegte Militärflughafen. Viel später kamen die Amerikaner mit ihren Atomsprengköpfen. Heute dienen die Bunker, deren gewölbte Grasdächer vom Ortsrand aus Richtung Allendorf/L. gut zu erkennen sind, als Lager des Schwalmstädter Bauhofs.

Impressionen aus Rörshain

Impressionen aus Rörshain

Die 775-Jahrfeier steht kommendes Jahr an, die gute Ortsgemeinschaft wird für ein schönes Fest sorgen, sind sich die Männer einig. Und sie hoffen, dass die Fassadeninstandsetzung des Backhauses entschieden früher von der Stadt Schwalmstadt fertig gestellt wird. Anderes strahlt schon wie neu. Zum Beispiel das Fachwerkhäuschen an der Hauptstraße. Die erwachsenen Kinder der beiden Bewohner haben es vom Dach bis zum Keller saniert, während sich die beiden auf einer dreiwöchigen Flussschiffahrt befanden. Was für eine Überraschung bei der glücklichen Heimkunft.

Einen Laden gibt es zwar schon lange nicht mehr, der letzte schloss 1982. Auch Gasthaus und Post sind Geschichte, das Sparkassenmobil hält nicht mehr. Trotzdem fühlen sich auch junge Familien wohl, leben Kinder und Jugendliche in Rörshain, gab es jüngst den Zuzug einer Familie. Es gibt wenig Autoverkehr, aber zum Einkaufen nach Treysa, Ziegenhain oder auch Frielendorf ist es nah. Gerne aber bleiben Rörshainer auch unter sich. Bis heute unterhalten sie etwa ihren Friedhof völlig eigenständig. Und wenn jemand beerdigt werden muss, dann sind wie wie eh‘ und je die Nachbarn die Sargträger. Sie heben auch eigenhändig das Grab aus.

Doch auch die Fröhlichkeit ist daheim in Rörshain. Noch immer gibt es eine Burschenschaft, die übrigens von Mädchen dominiert wird. Das Leben geht weiter am Dreimärker Allendorf/Michelsberg/Rörshain.

Quelle: HNA

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