Obermöllricher Grundschule: Betreuung bis 17 Uhr und ungewöhnliche Verpflegung

Leckeres Essen vom Wirt

Die Suppe schmeckt auch der siebenjährigen Nele: Beim täglichen Mittagessen im Gastraum des Obermöllricher Bürgerhauses gibt es frisch zubereitete, gutbürgerliche Küche. Wirt Thomas Knierim richtet sich auch nach den Wünschen der Kinder, die aus der Grundschule nebenan kommen und im Betreuungsangebot sind. Im Sommer wird sogar manchmal gegrillt. Fotos: ula

Obermöllrich. Wenn der Unterricht endet, dann ist die Schule in Obermöllrich noch lange nicht aus. Die kleine Grundschule, in die zurzeit 65 Schüler aus den Fritzlarer Stadtteilen Werkel, Cappel und Obermöllrich gehen, bietet schon seit vielen Jahren täglich ein ausgefeiltes Betreuungsprogramm an.

Ab dem nächsten Schuljahr wird es weiter ausgebaut. Zurzeit können die Kinder um 7 Uhr in die Schule gebracht werden und bis 16.30 Uhr bleiben, nach den Sommerferien wird die Betreuungszeit bis 17 Uhr erweitert.

„Heutzutage ist es die Aufgabe einer Schule, sich auch nach dem Unterricht um die Kinder zu kümmern“, sagt Daniela Schliebs, Leiterin der Schule zum Obersten Holz. Auch auf dem Lande, in den kleinen Dörfern gebe es großen Bedarf nach einer qualitativ guten pädagogischen Betreuung am Nachmittag.

Weil Vermittlung von Bildung alleine nicht ausreicht, gibt es in Obermöllrich seit 2004 den Förderverein der Grundschule und das Betreuungsangebot, das vom Verein organisiert wird. Zuständig für die Aktivitäten am Nachmittag ist Christiane Bächt, ausgebildete Erzieherin. 34 der 65 Schüler sind für die Betreuung angemeldet. „Wir haben im Dorf etliche alleinerziehende Mütter, die darauf angewiesen sind“, sagt Daniela Schliebs.

Günstige Preise

Auch beim Preis orientieren sich die Organisatorinnen an dem Machbaren. Wer sein Kind bis 13.30 Uhr in der Schule lässt, zahlt 20 Euro, bis 16.30 Uhr sind es 45 Euro – im Monat, wohlgemerkt. „Das müsste sich eigentlich jeder leisten können“, sagt Fördervereins-Vorsitzende Daniela Zieß.

Hinzu kommen 3,50 Euro für das tägliche Mittagessen. Der Clou dabei: Zum Speisen marschieren die Grundschulkinder ein Haus weiter, in die Gaststätte im Obermöllricher Bürgerhaus. Wirt Thomas Knierim hat sich bereit erklärt, mittags ein Menü zu kochen. Da gibt es mal Schweinebraten mit Rotkohl, mal Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesan, häufig eine Vorsuppe und frischen Salat.

„Die Kinder dürfen sich auch etwas wünschen“, sagt Betreuerin Christiane Bächt. Im Sommer legt der Wirt auch mal ein paar Würstchen auf den Grill und holt Eis am Stiel aus der Truhe. Finanziert wird die Betreuung aus den Zuschüssen des Landkreises, der pro Schüler eine Pauschale zahlt, und aus den Beiträgen der Eltern. Die Stadt Fritzlar hilft nur wenig: Auf Antrag gewährt sie einen Zuschuss von 250 Euro im Jahr.

„Bei uns klappt das mit der Betreuung so gut, weil vieles ehrenamtlich gemacht wird“, sagt die Schulleiterin.

Um die Eltern weiter zu entlasten, wird die Schule in den Osterferien zum ersten Mal eine Woche lang von 7.30 bis 16.30 Uhr eine Betreuung anbieten, danach auch zwei Wochen in den Sommerferien.

„Uns ist nicht bange um die Zukunft unserer Schule“, sind sich die Frauen einig. Wenn das Angebot stimmt, kommen auch die Kinder. Vorstellbar wäre es auch, dass auf Wunsch der Eltern zusätzliche Kinder aus dem Fritzlarer Baugebiet Roter Rain in Obermöllrich zur Grundschule gingen. Dazu wäre die Einwilligung der Kultusbürokratie nötig.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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