Auch Schlecker-Filialen im Landkreis von Schließung betroffen – Beschäftigte unsicher

Schlecker-Pleite: Leere Regale waren Signal

Enttäuscht: Gabriele Jutzki aus Beiseförth hatte oft in der Malsfelder Schlecker-Filiale eingekauft. Jetzt muss sie bis Melsungen fahren. Kleines Bild oben: eine Kundeninformation. Fotos: Grenzebach

Schwalm-Eder. Das Ende erinnert an ein Kartenhaus, das zusammenfällt: Die Drogeriemärkte der insolventen Schlecker-Gruppe, die in den vergangenen Jahrzehnten überall im Landkreis eröffnet wurden, stehen vor dem Aus. Manche haben bereits zu – das Ende kam schneller, als von den meisten Beschäftigten erwartet.

Kunden standen in den vergangenen Tagen schon vereinzelt vor geschlossenen Türen und leeren Regalen. Dass die Drogeriemarktkette Schlecker insolvent ist, hat viele Kunden im Schwalm-Eder-Kreis nicht völlig überrascht. Von der Krise des Unternehmens hatten schon einige gehört.

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Kunden in Melsungen finden es sehr bedauerlich, dass sich Unternehmensketten in Kleinstädten ansiedelten und dabei die kleinen Einzelhändler verdrängten. Zöge sich ein Branchenriese wieder zurück, bleibe für die Stadt nichts mehr, denn „die Kleinen kommen ja dann nicht wieder“. Mitarbeiterinnen in mehreren Filialen zeigten sich zurückhaltend in ihren Äußerungen. Sie hätten bis gestern Nachmittag keine Informationen über Insolvenz oder Filialschließungen erhalten, hieß es vereinzelt. In Malsfeld dagegen war schon vor Tagen klar: Der Laden schließt.

Eine Schlecker-Beschäftigte aus dem Kreisteil Melsungen meint, die Ursache für die Insolvenz zu kennen. Überall seien neue Märkte eröffnet worden, auch in kleinen Orten. „Das war die falsche Strategie“, sagt sie. Jetzt würden offenbar erst einmal die Filialen geschlossen, die wirtschaftlich schlecht dastehen.

Meike und Lars Schlecker, die Kinder von Firmengründer Anton Schlecker, hatten das Unternehmen 2011 übernommen. „Sie räumen alles weg, was nicht rationell ist“, sagt die Mitarbeiterin aus dem Kreisteil Melsungen.

Die Regale könnten derzeit nicht wie gewohnt aufgefüllt wie früher. Das liege offenbar daran, dass Schlecker sein Lager im thüringischen Herda geschlossen hat. 110 Mitarbeiter waren dort im Dezember arbeitslos geworden. Die Waren würden jetzt von anderen Lagern angeliefert.

Insgesamt verzeichnet die Homepage der Kette noch 21 existierende Märkte von Schlecker und der Tochter Ihr Platz im Landkreis. In Fritzlar gab es bis vor einigen Jahren am Marktplatz noch einen kleineren Markt. Dieser wurde geschlossen, und Schlecker zog um: Im ehemaligen Getränkemarkt am Erfurter Ring versuchte der Drogeriekonzern es mit einem seiner XL-Märkte. Die Mitarbeiterinnen im neuen Geschäft erhielten, so wurde in der Stadt gemunkelt, wesentlich weniger Gehalt als die im alten Schlecker. Der XL-Markt hielt nur einige Monate durch.

Was mit den fünf Angestellten von „Ihr Platz“ in Melsungen wird, ist unklar. Seit vier Jahren gehört die Filialkette nach einer Insolvenz zu Schlecker und wird als Premium-Zweitmarke geführt, „Wir hoffen, dass es weiter geht“, sagte eine der Mitarbeiterinnen. Von der Hiobsbotschaft hatten sie aus der Familie erfahren, und die wiederum aus dem Radio.

Quelle: HNA

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