Lehrer Krug gründete Sternwarte - nun ist er in Rente

Baunatal/Gudensberg/Guxhagen. Wer hätte das gedacht: Perry Rhodan, Held ungezählter Weltraumabenteuer, ist verantwortlich dafür, dass es in Gudensberg eine Schul-Sternwarte gibt.

Er hat sie nicht gebaut und auch nicht finanziert, aber er löste bei einem Jungen aus Hertingshausen die Begeisterung für die Sterne aus.

Dieser Junge heißt Gerhard Krug, ist Lehrer geworden, inzwischen 63 Jahre alt und seit 1. Februar im Ruhestand. Seit den ersten Perry-Rhodan-Heftchen hat ihn die Astronomie nicht losgelassen: nicht während des Studiums, nicht während der Lehrerausbildung.

Sternwarte

Weil er schon immer jemand war, der nichts anbrennen lässt und nach Lösungen sucht, schaffte er es, an der Gudensberger Gesamtschule, an der er von 1986 bis 2004 arbeitete, eine Sternwarte zu etablieren. Heute verfügt sie über eigene Gebäude und zahlreiche hochwertige Teleskope und Refraktoren.

Der Förderverein Sternwarte, den es seit 25 Jahren gibt, kümmert sich um die Anlagen - auch ohne Gerhard Krug, der den Vorsitz vor etlichen Jahren abgab.

Bienengarten

Die Sternwarte und die Astronomie-AG, in der zeitweise bis zu 60 Schüler mitarbeiteten, gehören zu den ganz speziellen Dingen, die der Englisch- und Sport-Lehrer Krug ins Leben rief. Neben dem Unterricht, versteht sich. Auch der Bienengarten mit Imkerei an der Schule, beides heute wieder in Betrieb, ist auf seinem Mist gewachsen.

Warum dieses Engagement? Hat ihm der viel zitierte Lehrerstress nicht gereicht? „Mir ging es immer darum, dass die Kinder neben dem theoretischen Unterricht auch praktische Erfahrungen machen können“, sagt Krug. Sie sollten erleben, wie etwas tatsächlich funktioniert.

Neue Wege

Und sie haben es ihrem Lehrer gedankt, so sieht es Gerhard Krug. Die Schüler seien immer bereit gewesen, sich zu engagieren. Dabei sei es nicht immer leicht gewesen, die Kollegen zu überzeugen, auch mal neue Wege zu gehen.

Wer ein so großes Interessensspektrum hat, mischt sich auch außerhalb des Berufes ein. Als alter Hertingshäuser spielte er schon als 17-Jähriger in der 1. Mannschaft Handball und wurde später ein bekannter Trainer verschiedener Teams, von Wollrode über Böddiger-Deute bis zur HSG Baunatal.

Lokale Geschichte gehört ebenfalls zu seinen Hobbys, seine Beiträge wurden mehrfach veröffentlicht: In der HNA startete er mit der Astronomie-Serie über unseren Sternenhimmel, die viele Jahre lang erfolgreich lief. Zum Thema Sterne hielt Krug auch zahlreiche Vorträge.

Schulwechsel

Nach dem Wechsel von der Gudensberger zur Guxhagener Gesamtschule als stellvertretender Schulleiter im Jahr 2004 blieb ihm für zusätzliche Aktivitäten nur noch wenig Zeit: „Ich hatte alle Hände voll zu tun mit der Planung des Schulalltags“, sagt er.

Damals habe man von der integrierten auf die kooperative Gesamtschule umgestellt, es gab G8, dann wieder die Rückkehr zur Integrierten Schule.

Zeit zum wandern

Dort, in Guxhagen, wurde Gerhard Krug jetzt in den Ruhestand verabschiedet. Seine Frau Elke, die in Besse als Grundschullehrerin arbeitete, ist ebenfalls nicht mehr im Schuldienst. Beide freuen sich auf den neuen Lebensabschnitt.

„Ich lasse es auf mich zukommen“, sagt er. Die Krugs wollen mehr von Deutschland kennenlernen, reisen und wandern, einfach Zeit haben. Auch für die drei Enkeltöchter.

Buch über Ritter

Aber er wäre nicht Gerhard Krug, wenn er nicht doch schon ein Projekt im Auge hätte: Ein Buch über die Ritter von Hertingshausen im Mittelalter hat er schon geschrieben, es ist fast fertig und soll veröffentlicht werden.

Für den Lehrernachwuchs hat Gerhard Krug übrigens auch einen Tipp: „Bleiben Sie authentisch!“ Es sei elementar wichtig, Vertrauen zu Schülern aufzubauen und ihnen zu zeigen, dass man auch selbst einmal Probleme haben könne. Und Eltern mit einzubeziehen, das zahle sich auf jeden Fall aus.

Quelle: HNA

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