Lernziele haben sich verändert

Lehrer sagen: Abitur ist nicht leichter geworden

Schwalm-Eder. Das Abitur ist nicht schwerer oder leichter geworden, sondern es ist anders geworden. Das sagt Bernd Bick, Studienleiter an der Christophorusschule, zur Behauptung, das Abitur sei nicht mehr viel wert.

Die Aufgabenstellungen seien sehr kompliziert und für jemanden, der den Unterricht nicht besucht hat, kaum zu lösen, sagt der erfahrene Lehrer. Tatsächlich hätten sich auch Lernziele im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verändert.

Beurteilen, vergleichen, Schlussfolgerungen ziehen - diese Fähigkeiten sollten Schüler heute erlernen. Verallgemeinernde Äußerungen über junge Leute, nach denen sie kaum noch lesen und schreiben könnten, seien unfair, findet Bick.

Auch Uwe Dietrichkeit, Studienleiter an der Fritzlarer Ursulinenschule, glaubt, dass die Abi-Anforderungen eher gestiegen seien. So sei es beispielsweise lange möglich gewesen, Mathematik in der Oberstufe abzuwählen. Das geht längst nicht mehr.

Heute müsse jeder Abiturient fünf Prüfungen absolvieren. Dazu gehören zwingend Mathe und Deutsch, sowie eine Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft bzw. Informatik. An der Ursulinenschule - wie landesweit - sei zu beobachten, dass der Notendurchschnitt im Abitur besser geworden sei, von 2,6 in den 90ern auf aktuell 2,4. Daraus lasse sich aber nicht ableiten, dass das Abiturniveau gesunken sei, sagt Dietrichkeit.

„Die Diskussion ist so alt wie das Abitur selbst“, sagt Wolfgang Scholz, Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder, und rät zu Gelassenheit. Für Scholz ist etwas anderes wichtig: Nicht jeder, der das Abitur ablege, müsse unbedingt auch studieren, findet er. „Wir brauchen auch die Macher“, sagt er. Wer einer praktische Veranlagung habe, sei an der Uni vielleicht nicht so gut aufgehoben. Gute Handwerker würden gebraucht und hätten sehr gute Chancen.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare