Rainer Hunold zog in amüsanter Charakterkomödie das Publikum in die Theatersaison

Leichte Kost zum Auftakt

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Wahrheit hinter der Fassade: Das Stück von Erich Kästner entpuppte sich als Charakterstudie, nur der Justiziar (Rainer Hunold, Mitte) ist in das Spiel des Erbonkels eingeweiht, links Dieter Ballmann und Michaela Egloff.

Melsungen. Eigentlich hätte nur noch Matula um die Ecke kommen müssen: Rainer Hunold, der beliebte Fernsehstar aus den Anfängen der Serie „Ein Fall für zwei“, spielte auch im ersten Stück der Melsunger Theatersaison einen Juristen.

Er kümmerte sich in Erich Kästners Komödie „Verwandte sind auch nur Menschen“ um die Hinterlassenschaft des Millionärs Blankenburg und wirkte ganz so authentisch und sympathisch, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt.

Die Vorstellung war ausverkauft, die Stadthalle gesteckt voll in Erwartung auf den Künstler aus dem Fernsehen. Das Stargastspiel des 3-Länder-Theaters führte in die 30er-Jahre und bot eher leichte Kost des Autors Erich Kästner.

Die Verwechslungskomödie beschäftigt sich mit den Wünschen und Eigenheiten der Menschen. Der Traum von der großen Erbschaft des reichen Onkels aus Amerika lockt die Verwandtschaft. Alle zeigen sich im besten Bild, wollen sie doch ein Stück vom Kuchen abhaben und sich so ihre Wünsche erfüllen.

So wird das Spiel zur Charakterstudie. Jeder der bunt zusammengewürfelten Verwandten hat sein eigenes kleines Geheimnis, verbirgt sich hinter einer Fassade und spielt mit den anderen. Wie die resolute Paula Blankenburg (Isolde Polzin), Schwägerin des Verstorbenen. Sie kommt so herrschaftlich daher und ist am Ende die mehrfach betrogene Ehefrau, die mit Hilfe der cognacträchtigen Bowle endlich mal ihre Steifheit fallen lässt und locker wird. Oder der Journalist Lothar Bildt (Olaf Creutzberg): immer neugierig, ein wenig an der Grenze der Legalität, der vielleicht auch ein bisschen Autobiografisches von Kästner verarbeitet. „Bei der einen Zeitung verdienst du wenig, bei der anderen fast gar nichts“.

Die Künstlerin Cäcilie (Michaela Egloff), lebt in einer anderen Welt, in der sich alles nur um ihre eigene Inszenierung dreht.

Einzig die praktische und authentische Krämerin Emma Schramm (Sybille Kleinschmidt) bemerkt: „Nur ich Dussel bin als ich selbst gekommen.“ Dabei wirkt sie so natürlich im Gegensatz zum bornierten Professor (Egon Klauser), der hochnäsig umherstreift und dessen Lächerlichkeit sich herrlich in seinen Knickerbockern widerspiegelt.

Am Ende stellt sich heraus, dass der gewiefte Onkel (Dieter Ballmann) noch lebt, sein Spiel mit der lieben Verwandtschaft getrieben hat und sich als sein eigener Butler ausgegeben hat, dem er zudem noch alles vererbt hat. Der Grund: Er hält sich für besonders schlau und wollte seine Verwandten mal richtig kennen lernen. Einzig der Justizrat (Rainer Hunold), der es sich gern leicht macht, ist in das Spiel eingeweiht und hat seine Mühe und Not, die Familie zu beruhigen, was dem bequemen Genussmenschen alles zu viel ist.

Am Ende klärt sich alles auf und steuert locker leicht und lustig aufs unverzichtbare Happy End zu. Vielleicht steckt eine Erkenntnis dahinter: Die Menschen könnten besser sein, aber sie sind so vielfältig, wie sie sind, vor allem eines: nämlich menschlich.

Quelle: HNA

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