Pilotprojekt zur Neubelebung des Ortskerns in Ottrau – Ausstrahlung auf Ortsteile

Leichteres Ja zum Abriss

Leere Häuser: In Ottrau und den Ortsteilen stehen leer stehende Häuser zum Verkauf. Dieses steht in der Burggasse in der Kerngemeinde. Foto: Feser

Ottrau. Hübsch sind sie, die Fachwerkhäuser im denkmalgeschützten Ottrauer Ortskern. Aber bald werden einige von ihnen leer stehen. Weil die Bewohner sterben und keine Nachkommen da sind, die die Häuser bewohnen wollen. Deshalb hat Ottrau an einem Pilotprojekt des Schwalm-Eder-Kreises teilgenommen. Thema: Revitalisierung von historischen Ortskernen.

Historisch ist der Ortskern, schließlich ist Ottrau mehr als 1200 Jahre alt. Vital ist er nur bedingt.

Wenn sich Leute für eine Immobilie im Ort erkundigen, wollen sie Häuser oder Wirtschaftsgebäude am Ortsrand kaufen, berichtet Bürgermeister Norbert Miltz. In seiner halbjährigen Amtszeit hatte er bislang zwei Anfragen. Diese kamen von Auswärtigen. „Ottrauer fragen nicht nach Häusern im Ortskern, sie wollen eher im Neubaugebiet bauen.“ In Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der Gemeinde hat ein Stadtplanungsbüro aus Kassel die Häuser im historischen Ortskern katalogisiert: nach Größe von Haus und Grundstück sowie Preis. „Das wird uns die Vermarktung erleichtern“, sagt Bürgermeister Miltz. Ziel des Pilotprojektes ist es, leichter eine Abrissgenehmigung für die denkmalgeschützten Gebäude zu erhalten. Hier werde eng mit Denkmalschutz und Kreisbauamt zusammengearbeitet.

Miltz hofft, dass dieses auf die übrigen Ottrauer Ortsteile ausstrahlt. Gleichwohl gibt es etliche Hauseigentümer, die

„Einige warten lieber, bis ihr Haus von selbst zusammenbricht.“

Norbert Miltz Bürgermeister

die Gebäude aufgrund der Kosten von bis zu 20 000 Euro nicht abreißen lassen, „sondern lieber warten, bis es von selbst zusammenbricht“, kein gutes Aushängeschild. Nach einem Abriss kommt die Baulücke.

Damit die nicht im Dorf klafft, hatten die Kasseler Stadtplaner mehrere Varianten für Lösungen nach einem Abriss vorgeschlagen. Idyllische Steinmauern, so genannte Raumkanten, Ruhe-Oasen oder kleine Parkanlagen könnten anzeigen, wo einst ein Haus gestanden habe.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare