Gewaltdelikte und Betrug: Gericht verurteilt Mann zu zwei Jahren Haft

Zu zwei Jahren Haft, drei Jahre zur Bewährung, verurteilte das Fritzlarer Amtsgericht einen jungen Mann, der gegen seine Frau gewalttätig geworden war und eine andere bestohlen hatte.

Zwei junge Menschen stehen vor Gericht. Auf den ersten Eindruck wirken beide sympathisch. Noch 2013 lebten sie als Elternpaar zusammen. Es gibt einen kleinen Jungen und ein Schwesterchen.

Doch dann brach in wenigen Monaten diese scheinbar glückliche Welt zusammen. Der Mann ist als Täter angeklagt. Die Frau, das Opfer, wurde als Zeugin geladen. Erst nach und nach durchdringen ihr Schluchzen einzelne Worte und dann Sätze: Ohrfeigen, Gewalt, verschiedene Meinungen, blaue Flecken am Arm, schimpfen wegen nur so Sachen, das alles vor den Augen des Sohnes, ich ging nicht, das Kind sollte einen Vater haben, der kam spät abends, zog mir an den Haaren, hat mich beleidigt, zerschlug eine Glasflasche auf meinem Schenkel, trat mir in den Bauch im fünften Monat, warf mir ein schweres Schlüsselbund an den Kopf…Ein schreckliches Geschehen.

Es nimmt kein Ende, dass Frauen wieder und wieder solche Taten schildern. Die Verhandlung wird mehrfach auf Wunsch der Verteidigung unterbrochen.

Nach jeder Pause gibt der Angeklagte eine Erklärung ab. Zuerst entschuldigt er sich beim anwesenden Opfer. Die Frau wirkt sichtlich erleichtert. Erstmals wird alles bestätigt, was ihr widerfahren ist. Die Staatsanwältin hatte die Gewaltdelikte, aber auch gewerbsmäßigen Betrug zur Anklage gebracht. Einer dementen Dame hatte der Beschuldigte die EC-Karte entwendet. Innerhalb von fünf Tagen zog er vom Konto über 5000 Euro ab. Auch das wurde anfänglich mit verschiedensten Ausflüchten verneint.

Doch die ausdrucksvollen Worte der Zeugin hatten nicht nur das Gericht erschüttert, sondern auch den Täter. Nun ringt er sich schrittweise zu einem vollkommenen Geständnis durch. Er war spielsüchtig. Vor einem Jahr bereits ließ er sich lebenslang für Spielcasinos sperren. Er war extrem eifersüchtig.

Die Geldsorgen schlugen ihm über den Kopf zusammen. Im Urteil wird das ebenso wie das mühsam erfolgte Geständnis berücksichtigt. Auch, dass die Taten mehrheitlich im engen Zeitraum von fünf Tagen geschahen. Zudem geht aus den jetzigen Lebensumständen hervor, daß eine positive Sozialprognose besteht. Zwei Jahre mit dreijähriger Bewährung lautet das Urteil. Dazu kommen 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Der Verurteilte legt die Hände vor sein Gesicht und sagt: Es tut mir alles so leid, was ich getan habe.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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