Wolfhager gedachten gemeinsam den ermordeten Juden – Gedenktafel enthüllt

Das Leid nicht vergessen

Am Platz der Synagoge: Lutz Kann (rechts) berichtet den Besuchern der Gedenkveranstaltung von der Zeit, als er mit seinen Eltern in Wolfhagen lebte. Der 89-Jährige emigrierte Ende Januar 1939 über Triest nach Palästina und lebt heute in Berlin. Fotos: Glass

Wolfhagen. „Theresienstadt, Theresienstadt – wann wohl das Leid ein Ende hat – wann sind wir wieder frei?“. Diese Frage stellte die jüdische Schriftstellerin Ilse Weber vor nunmehr über siebzig Jahren in Briefen an Verwandte, in Gedichten. Aus ihrem Buch „Wann wohl das Leid ein Ende hat“ lasen Oberstufenschüler der Wilhelm-Filchner-Schule am Mittwochabend in der Wolfhager Kulturhalle Auszüge.

Zuvor begrüßte Bürgermeister Reinhard Schaake die Gäste, darunter der in Wolfhagen geborene Jude und Zeitzeuge Lutz Kann und Dr. Georg Maraun. „Erinnern, bedenken, handeln“ – unter diesem Motto stand die Gedenkveranstaltung in Wolfhagen, bei der in diesem Jahr das Leben der Familie Winterberg im Mittelpunkt stand. Die Geschehnisse sichtbar machen – nicht nur am 9. November, sondern während des gesamten Jahres, sagte Bürgermeister Schaake, sei wichtig, um nicht zu vergessen. Aus diesem Grund gingen die Besucher der Gedenkveranstaltung im Anschluss an die Darbietung der Schüler gemeinsam zum Haus in der Mittelstraße, das am Abend des 9. Novembers 1938 von Nationalsozialisten angezündet worden war und niederbrannte.

Erinnerung bewahren

Die Familie überlebte, weil sie noch rechtzeitig flüchten und auswandern konnte, berichtete Dr. Georg Maraun am Platz des ehemaligen Wohnhauses, wo heute das Wohn- und Geschäftshaus Popp/Kranz steht und an dem an diesem Abend eine Gedenktafel zur Erinnerung an die jüdische Familie enthüllt worden war. Es sei wichtig, die Erinnerung an die Familie Winterberg zu bewahren und auszugraben, sagte Dr. Maraun. Nach der Enthüllung der Gedenktafel gingen die Besucher weiter zum Platz der Synagoge, die ebenfalls bei den Novemberprogrogromen von Nationalsozialisten angezündet worden war. Dort begann Lutz Kann das Kaddisch (eines der wichtigsten Gebete im Judentum) auf aramäisch zu beten. Dekan Dr. Gernot Gerlach und viele Besucher schlossen sich an und beteten ebenfalls. Ein Bild von starker Ausdruckskraft an einer Stelle, wo einst das Grauen herrschte.

„Ich danke allen für die große Anteilnahme an der Trauer“, sagte der 89-jährige Kann sichtlich ergriffen nach den Gebeten und Ansprachen. Am Platz der Freiheit kamen zum Abschluss alle Besucher noch einmal zusammen und gedachten all der in Wolfhagen umgekommenen Jude. (veg)

Quelle: HNA

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