Musiker versprühten Feuer bei Meisterkonzerten

Aus Leidenschaft flog der Bogen weg

Bad Zwesten. Die Meisterkonzerte boten einmal mehr einen unvergesslichen Abend für Freunde der Kammermusik. Es wurden drei Klavierquartette gespielt: zu Beginn das liebliche erste Quartett Es-Dur von Ludwig van Beethoven, danach das in g-moll KV 478 von W. A. Mozart. Bei dessem ernsten ersten Satz und dem lichten, heiteren Schlusssatz musste man unwillkürlich an die Arie des Papageno aus der Zauberflöte denken: „Das klinget so herrlich, das klinget so schön“.

Die vier Musiker, Dana Anka (Violine), Daniela Braun (Bratsche), Alexander Bagrintsev (Violoncello) und Fumiko Shiraga (Klavier) spielten mit viel Sinn für Schönklang, inspiriert und mit großer Präzision.

Der Höhepunkt des Abends war das zweite Klavierquartett op. 25 von Johannes Brahms. Ein viersätziges Riesenwerk mit symphonischen Ausmaßen.

Es malte eindrucksvoll die dunklen Farben des ersten Satzes und seine tiefe Melancholie, aber auch den Jubel des marschartigen Animato im langsamen Satz. Der vierte und letzte Satz – Rondo alla zingarese – ist eine Reverenz des nur äußerlich kühlen, zurückhaltenden Hanseaten Brahms an die Musik der Zigeunerkapellen, die Brahms in Wien kennen und lieben lernte. Das Feuer, die irrwitzige Virtuosität dieser Musiker inspirierte Brahms zu einer Musik, die ins Blut geht.

Natürlich war es ein großartiger Hörgenuss, es war aber auch ein atemberaubendes optisches Erlebnis, wie diese vier Musiker da mit größtem Einsatz und vollem Risiko bei höchstem Tempo den Zigeunersatz spielten. Der Cellist hätte um ein Haar seinen Bogen eingebüßt, er flog ihm nämlich an einer besonders leidenschaftlichen Stelle aus der Hand.

Glücklicherweise konnte er ihn aber aus den Blumenarrangement am Bühnenrand wieder herausfischen. Dass er ohne Irritation in seinen Part wieder hineinfand, war bei einem Musiker dieser Qualität eine Selbstverständlichkeit.

Das Brahms-Quartett war der vermeintliche Höhepunkt des Abends. Aber da trat die Pianistin Fumiko Shiraga vor das Publikum und kündigte eine Zugabe an.

Cellist Alexander Bagrintsev spielte mit drei Kollegen Zigeunermusik, mit der das Quartett derzeit auf Tournee ist. Joszef Lendvay (Violine, besser: Teufelsgeiger), Corneliu Puican (Kontrabass) und Peter Menyhart (Gitarre) verschlugen dem Publikum mit ihrer Musik den Atem. Ein furioser Schluss. (nh)

Von Dr. Ulrich Skubella

Quelle: HNA

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