Medikament und Drogen versprechen trügerisch ein schönes, entspanntes Leben

Leistung bringen um jeden Preis

Homberg. Prüfungen, Klausuren, Arbeiten unter Zeitdruck – Gudrun Domes, Psychologin der Beratungsstelle des Schwalm-Eder-Kreises in Homberg, kennt die Zwangslagen, in denen Menschen zu Medikamenten greifen, um ihre Leistungsfähigkeiten zu steigern. Eigentlich bräuchten sie aber eine Pause.

„Das sind Menschen, die einen hohen Anspruch an sich stellen“, erklärt Domes. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung nehmen leistungssteigernde Medikamente, um den Alltag durchzustehen, vermutlich wegen der Anforderungen in der Arbeitswelt. Auch Studenten zählen im wachsenden Maße dazu. Doch die Medikamente zur Steigerung der Gehirnleistung, zeige kaum die erhofften Effekte, bergen aber Risiken, warnt Domes.

Die Arzneimittel seien für Patienten mit Depressionen, Demenz und Aufmerksamkeitsstörungen entwickelt worden. Psycho-Stimulantien, Antidepressiva und Beta-Rezeptorenblocker wirkten zwar bei Kranken, bei gesunden Menschen sei ihre Wirkung vergleichbar mit einer Tasse Kaffee. Beim Gesunden ließe sich die Leistung ohnehin nur wenig steigern.

Mit der Einnahme der vermeintlich leistungssteigernden Medikamente neigten die Betroffenen zur Selbstüberschätzung, arbeiteten zu viel mit zu wenig Pausen und schadeten dadurch ihrer Gesundheit.

Außerdem bestehe die Gefahr einer seelischen Abhängigkeit, wenn man glaube, nicht mehr auf die Medikamente verzichten zu können und andere Dinge vernachlässige. „Dahinter steckt die Vorstellung vom Erfolg ohne Mühe, aber das gibt es nicht.“

Auch Schlaftabletten gehören zu den Medikamenten, die zum Stress-Ausgleich genutzt werden. Von ihren Klienten in der Suchtberatung habe etwa ein Viertel versucht, die Leistungsfähigkeit auf indirekte Weise zu erhalten, beispielsweise mit einem regelmäßigen Glas Rotwein am Abend. Wird daraus eine tägliche Gewohnheit, dann wird es gefährlich.

Medikamente und Alkohol dienen in den Fällen dazu, vermeintliche Defizite auszugleichen, erklärt die Psychologin. Viele Menschen beurteilten sich selbst strenger, als andere sie beurteilten. Besonders Frauen neigten dazu, sich selbst weniger qualifiziert zu empfinden als andere. (yma)

Quelle: HNA

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