Nachfolger steht noch nicht fest 

Auch böse Briefe kamen an: Melsunger Ordnungsamtsleiter geht in den Ruhestand 

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Geht in den Ruhestand: Der Melsunger Ordnungsamtsleiter Roland Schmidt, hier im Bild mit Kerstin Dietrich, Mitarbeiterin der Stadt.

Melsungen. Everybody’s Darling? „Nein, das ist man als Ordnungsamtsleiter wirklich nicht“, sagt Roland Schmidt und lacht. 

Der 61-Jährige leitet seit 18 Jahren das Ordnungsamt in Melsungen. Ende Juni geht Schmidt in den Ruhestand. Die Entscheidung darüber, wer seine Nachfolge übernimmt, sei noch nicht gefallen, sagt Matthias Will, stellvertretender Leiter des Personalamts der Stadt Melsungen. Die Bewerbungsfrist sei allerdings abgelaufen.

„Wie man es macht, man macht es meistens falsch“, scherzt Schmidt über seine Arbeit in den vergangenen Jahren. „Für die einen greift man nicht hart genug durch, für die anderen setzt man sich nicht genug ein.“ Auch der ein oder andere böse Brief habe ihn in seiner Amtszeit erreicht. „Ja, das kommt alles vor.“ Aber die Arbeit beim Ordnungsamt habe ihm stets Spaß gemacht. „Es ist ein vielseitiger Job.“

Insbesondere die Mitwirkung bei Wahlen, beim Aufbau des Dienstleistungszentrums oder später beim Bau des Feuerwehrgebäudes sei spannend gewesen. Und auch die alltäglichen Dinge, die jeden Tag auf dem Schreibtisch landeten wie Falschparker oder Temposünder hätten keine Einseitigkeit aufkommen lassen: „Man hört dort die tollsten Ausreden, warum die Leute diesen oder jenen Fehlern gar nicht begangen haben können oder warum sie ihn begehen mussten“, sagt Schmidt, der in Bebra wohnt.

Konkrete Beispiele will er nicht nennen, schließlich könne sich ja jemand wieder erkennen. „Man muss die Leute ernst nehmen, das ist wichtig.“ Stets ruhig und sachlich zu bleiben, habe er sich allerdings antrainieren müssen. „Aber manchmal gelingt es trotzdem nicht“, gibt er zu.

Was Schmidt in den vergangenen Jahren auffiel: Nachbarn zeigten sich vermehrt gegenseitig an. Nachbarschaftsstreit – sei es wegen eines bellenden Hundes oder wegen ausgelassener Feste – würde immer wieder über die Behörden ausgetragen. „Ich verstehe nicht, warum die Leute nicht erst einmal miteinander reden, bevor sie einander anzeigen“, sagt der Vater zweier Kinder.

Der beliebteste Mann in der Stadt sei man als Ordnungsamtsleiter durchaus nicht, bestätigt Schmidt. Das sei aber nicht der Grund, warum er nie nach Melsungen zog, sondern immer in Bebra wohnen blieb. Durch die räumliche Trennung habe er gut von der Arbeit abschalten können. „Das habe ich sehr genossen.“

Abschalten will Schmidt auch nun in seinem Ruhestand. „Alles, was bisher auf Sparflamme gelaufen ist, werde ich jetzt nachholen.“ Der 61-Jährige geht leidenschaftlich gern auf Wandertouren, die auch mal mehrere Tage lang dauern können. Im Herbst will er beispielsweise einen weiteren Teil des Europawanderwegs Nummer 5 erlaufen – von Konstanz nach Oberstdorf.

Quelle: HNA

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