Langweilig war es Wolfgang Fischer nie

Leiter des Ordnungsamtes Habichtswald geht in Ruhestand

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Kein Abschied für immer: Wolfgang Fischer, Chef des Ordnungsbehördenbezirkes Habichtswald, geht in den Ruhestand. Doch als 450-Euro-Jobber wird er seine Kollegen weiterhin unterstützen, dann allerdings aus der zweiten Reihe.

Habichtswald. In wenigen Tagen ist für Wolfgang Fischer Schluss. Dann hängt der 64-Jährige seinen Job als Leiter des Ordnungsbehördenbezirks Habichtswald an den Nagel. 

Seinen Kollegen wird er aber für wenige Tage im Monat erhalten bleiben. Dafür wechselt er die Perspektive. Statt als Chef wird er sein Team als Hilfssachbearbeiter, wie er lachend sagt, auf 450-Euro-Basis unterstützen.

Wenn Wolfgang Fischer nach ein paar Tagen Urlaub Ende Juni in den Ruhestand geht, wird ein bewegtes Berufsleben hinter ihm liegen, in dem es nie langweilig wurde. Nach der mittleren Reife entschied er sich für eine Polizeiausbildung. Von der Bereitschaftspolizei wechselte er zur Schutzpolizei und landete schließlich bei der Kripo in Offenbach. In dieser Zeit keimte der Wunsch auf, auszuwandern. Er versuchte es in Spanien, lernte die Sprache, fühlte sich dort aber nicht wohl. Während eines längeren Urlaubs in Namibia verliebten sich Fischer und seine Frau in das Land im südlichen Afrika. „Die Landschaft ist fantastisch und das Umfeld familiär.“

Er quittierte den Job bei der Polizei und ließ sich in Namibias Hauptstadt Windhuk nieder. Mit mehreren Leuten baute er einen privaten Sicherheitsdienst auf. Die Stimmung in dem Staat einige Jahre vor dessen Unabhängigkeit war aufgeheizt. Der Einfluss Südafrikas auf Namibia war enorm, immer wieder kam es zu Kämpfen mit der Unabhängigkeitsbewegung Südwestafrikanische Volksorganisation (SWAPO).

„Tankstellen gingen in die Luft, ganz in unserer Nähe explodierte in einem Parkhaus eine 40-Kilo-Autobombe“, sagt Fischer. 1988 wurde es dem Paar zu gefährlich, außerdem gab es einen Todesfall in der Familie und so kehrten beide zurück nach Nordhessen.

Traf Hugo Egon Balder

Wenig später startete er zwei Buchprojekte, die allerdings nie veröffentlicht wurden. Er schrieb unter dem Pseudonym Heinz Fischer. Heinz war ein zehnjähriger Junge, der über 300 Briefe an Organisationen, Firmen und Prominente in ganz Deutschland verfasste, auf die er 200 Antworten erhielt. Die Anfragen waren nie ganz ernst gemeint, immer mit einem Augenzwinkern versehen.

Einmal wandte sich der Junge an Rudi Carrell, weil es einer Bekannten nicht gelinge, die große Liebe zu finden. „Der Brief wurde in seiner Sendung vorgelesen.“ Über diese Aktivität kam es auch zu Begegnungen mit Hugo Egon Balder.

Irgendwann aber musste ein richtiger Job her. Bewusst wählte er zwei Bereiche aus, für der beschlossen hatte, dort nie arbeiten zu wollen: „Ich verkaufte Versicherungen und ging als Pflegekraft ins Krankenhaus“. Nach weiteren vier Jahren gab es einen erneuten Wechsel. Fischer trat zunächst für zehn Jahre eine Stelle im Ordnungsamt von Lohfelden an, bevor er 2003 im Ordnungsbehördenbezirk Habichtswald durchstartete, zu dem damals Zierenberg, Breuna, Naumburg und Bad Emstal zählten – es sollte seine längste und letzte berufliche Station werden. „Den Kontakt zu den Menschen werde ich vermissen“, sagt der 64-Jährige, der in Kaufungen lebt. Nicht alle Begegnungen seien einfach gewesen. „Manche Leute kamen bollernd ins Büro und gingen mit einem Lächeln wieder hinaus“, so Fischer, der sich nun am meisten auf die Ruhe freut und die Zeit mit seinem Enkel.

Den Kontakt zu Namibia und Südafrika hat er nie verloren. Er ist aktiv im Multikulturverein Völkerverständigung, der Projekte vor allem für Kinder unterstützt. Jährlich spenden die 70 Mitglieder des Vereins um die 80 000 Euro an Suppenküchen, Kitas, Schulen, Behinderteneinrichtungen und die Aidshilfe.

Hintergrund: Alexander Ashauer wird der neue Chef

Nachfolger Wolfgang Fischers wird Alexander Ashauer aus Istha. Der 32-Jährige ist seit zehn Jahren im Ordnungsbehördenbezirk beschäftigt und wird zum 1. Juli dessen Leitung übernehmen. In Wolfhagen absolvierte er seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, inzwischen hat er sich zum Verwaltungsbetriebswirt weiterqualifiziert.

Zum Ordnungsbehördenbezirk Habichtswald gehören die Kommunen Bad Emstal, Breuna, Zierenberg, Naumburg, Niedenstein, Gudensberg und Habichtswald. Zum Aufgabengebiet zählen unter anderem die Überwachung des ruhenden und fließenden Verkehrs, die Anordnung von Verkehrszeichen, Themen aus den Bereichen Abfall und Umwelt sowie des Gaststättengewerbes, Nachbarschaftsstreitigkeiten und die Umsetzung der Straßenreinigungssatzung.

Quelle: HNA

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