Die schwerstkranke Autorin Maria Langstroff aus Treysa las vor Freunden aus ihrem Buch „Mundtot“

Lesung im abgedunkelten Hörsaal

Schwalmstadt/Marburg. "Das war der schönste Tag der letzten drei Jahre", verabschiedete sich Maria Langstroff, ehe sie im Pflegebett aus dem Hörsaal geschoben wurde.

Im Pflegebett in den Hörsaal: Die schwerstkranke Maria Langstroff (25) aus Treysa las an der Uni Marburg aus ihrem Bestseller „Mundtot!?“ vor.

Ein Krankentransporter brachte sie wieder zurück in ihr Pflegeheim in Gießen, wo die 25-Jährige seit zwei Jahren in einem abgedunkelten Zimmer lebt.

Marias Eltern, viele Freunde, aber auch interessierte Studenten waren gekommen, um zuzuhören, wie Maria einige Seiten aus ihrem Spiegel-Bestseller „Mundtot!?“ vorlas.

Die Lesung war so ausgerichtet, wie Maria es sich wünschte. Bevor vier Krankenpfleger sie in den Hörsaal fuhren, wurden über eine Leinwand zwei Fernsehbeiträge abgespielt, die das Schicksal der Todkranken dokumentieren.

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25-Jährige ist todkrank - trotzdem liebt sie das Leben

Über Marias Erkrankung ist wenig bekannt, außer, dass die Symptome stetig zunehmen. Heute ist die ehemalige Leistungssportlerin nahezu vollständig gelähmt. Ihre Sehkraft hat stark nachgelassen, Maria erkennt andere Menschen nur noch an Umrissen. Tageslicht dürfen ihre Augen nicht aufnehmen, deshalb trägt die 25-Jährige ständig eine Sonnebrille.

In dem abgedunkelten Hörsaal der Uni Marburg herrschte betrübte Stille. Mit einem freundlichen „Hallo“ und „geht gleich los“ schaffte es Maria jedoch, die Besucher zum Schmunzeln zu bringen.

Mit ruhiger und klarer Stimme

Die Autorin las mit ruhiger und klarer Stimme verschiedene Szenen vor. Darunter auch solche, in denen die 25-Jährige ihre Stimme anhob, weil sie sie noch immer wütend machen. Zum Beispiel gibt es in ihrem Buch eine Szene, in der sie im Rollstuhl vor einem Röntgenraum auf eine Untersuchung wartet und von einem älteren Mann beschimpft wird. „Dass sowas überhaupt eine Daseinsberechtigung hat. Unglaublich. Früher hätte es sowas nicht gegeben.“

An die Uni Marburg zurückzukehren, war Marias Wunsch. Dort studiert sie seit vier Jahren Anglistik, Germanistik und Pädagogik für das Lehramt an Gymnasien sowie Psychologie. Seit 2010 ist kann sie allerdings keine Vorlesungen und Seminare mehr besuchen.

Nach der Lesung verabschiedete sich Maria unter Tränen von ihren Freunden. „Danke, dass ihr alle da wart.“

Von Daniel Göbel

Quelle: HNA

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