Angeklagter beging stets neue Straftaten

Letzte Chance: Therapie statt Haft

Fritzlar. Diverse Vergehen im Straßenverkehr, mehrfacher gemeinschaftlicher Raub mit Körperverletzung und wiederholter Diebstahl: Unter dem Einfluss von Alkohol beging ein Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis in den vergangenen Jahren neun Straftaten.

Für seinen jüngstes Diebstahl im Juni 2010 erhielt der unter Bewährung stehende 36-Jährige jetzt eine Haftstrafe von sechs Monaten. Die setzte Richterin Lydia Lahmann nach eindringlicher Ermahnung „ein letztes Mal“ für fünf Jahre zur Bewährung aus.

Für diese letzte Chance spreche die Tatsache, dass der Angeklagte wegen seiner Alkoholprobleme auf Anraten seines Bewährungshelfers mittlerweile in einer sozialtherapeutischen Einrichtung untergebracht worden sei. Dort solle er auch künftig weiter therapiert werden: „Das ist das Beste, was ihm passieren kann, um nicht immer weiter abzurutschen.“

Tatsächlich hatte sich das Umfeld für eine Läuterung des Mannes als denkbar ungünstig erwiesen: Er traf sich regelmäßig mit mehreren Gleichgesinnten, um auf öffentlichen Plätzen Alkohol zu trinken. In Folge dessen kam es immer wieder zu Straftaten, so auch zu dem Diebstahl Anfang Juni 2010.

Auf einem Platz klaute der Angeklagte aus der Tasche einer Bekannten zwei Geldbörsen mit Bargeld in Höhe von 149 Euro. Bei der Polizei und vor Gericht zeigte er sich zu seiner Entlastung geständig: „Die Tasche stand so rum, da ist es halt passiert.“

Das Geld habe er für Zigaretten, Handykarte, und auch für Alkohol ausgegeben. Damit sei seit einer stationären Entgiftung und dem jetzigen Aufenthalt in der Therapieeinrichtung im Landkreis jedoch Schluss.

Adäquat verhalten

Auf Anfrage der Richterin bestätigte eine Sozialpädagogin, dass sich der Angeklagte „im geschützten Umfeld der Institution adäquat“ verhalte. Dort wird er wie bereits in den vergangenen Monaten einer Arbeitstherapie nachkommen und sich regelmäßigen Alkoholtests unterziehen. Zusätzlich hat er zugestimmt, sich zur Bewältigung seiner Alkoholprobleme zu regelmäßigen Beratungsgesprächen einzufinden.

Daneben erhielt der Angeklagte die Auflage, die Diebstahlsumme dem Opfer zurück zu zahlen. „Ich werde keine Ruhe geben, bis alles umgesetzt ist“, beteuerte die Richterin am Fritzlarer Amtsgericht und ließ keinen Zweifel daran, dass sie andernfalls die Bewährung entziehen werde. (zse)

Quelle: HNA

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