Schwester Marga, ehemalige Leiterin des Hauses Sonnenschein, verlässt Fritzlar

Die letzte ihrer Art geht

November 2010: Schwester Marga nimmt Abschied vom Kinderheim und von Fritzlar. Foto: Dellit

Fritzlar. Das Haus Sonnenschein galt als modernstes Kinderheim, als es 1968 eingeweiht wurde. Nur bei der Inneneinrichtung hatte man einiges vergessen. Vorhänge, kindgerechte Möbel, farbige Anstriche? Fehlanzeige. An diese Zeit erinnert sich Schwester Marga Maria genau.

40 Jahre, nachdem sie 1970 Leiterin der Einrichtung in Fritzlar wurde, verlässt die Schwester nun die Domstadt. Die 79-Jährigen war die letzte Vinzentinerin. Mit ihren Mitschwestern sorgte sie seinerzeit dafür, dass es auch im Inneren des Hauses schön wurde.

Damals, so sagt der heutige Leiter Dieter Kumpe, herrschte noch die Meinung vor, Kinder, die als böse galten, müssten keine aufwändige Innenausstattung haben. Das hat sich seitdem geändert. Für die Schwester, die auch Oberin der Vinzentinerinnen war, war das nie eine Frage.

Schlimmer als damals sei die Jugend von heute nicht, sagt die Schwester, die vier Jahrzehnte im Blick hat. Dennoch habe es Veränderungen gegeben. Kaputte Familien seien früher seltener gewesen als heute.

Der Ansatz des Hauses Sonnenschein war in den 70er Jahren noch ganz anders. Die Kinder blieben im Heim, bis sie groß waren. Heute ist das Ziel, sie wieder in ihre Familien zu bringen.

Bis 1997 leitete Schwester Marga das Heim, nun zieht sie um ins Mutterhaus des Ordens nach Fulda. Kontakt zu vielen ehemaligen Sonnenschein-Kindern hat sie nach wie vor. Einige arbeiten heute selbst in der Einrichtung, erzählt sie stolz: „Das ist wunderbar.“

Die gute Atmosphäre des Hauses würden die Jugendliche mitnehmen, wenn sie das Heim verlassen. Dazu gehört auch der katholische Hintergrund. Für die Schwester gilt: „Ich kann den Kindern das nicht aufdrängen. Sie müssen es bei uns erleben und dann selbst entscheiden.“

Häufig komme es zu Gesprächen über den Glauben, dann fragten junge Menschen bei der Schwester nach: „Ich kann nicht glauben. Wie geht das?“ Auf diese Begegnungen lege sie großen Wert.

Der Fritzlarer Missbrauchsskandal hat sie schwer getroffen. „Es ist ein großer Schaden“, sagt sie. Im Haus Sonnenschein wissen sie, was die Folgen sein können, denn dort leben auch Kinder, die missbraucht wurden.

Es ist viel Wehmut dabei, wenn Schwester Marga geht. Aber eines steht jetzt schon fest: Als Ehrengast der Weihnachtsfeier ist sie wieder da.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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