Bei Schlecker ist großer Abverkauf – Zwei langjährige Mitarbeiterinnen berichten wehmütig

Schlecker: Letzte Tage im Akkord

Letzter Einkauf bei Schlecker: Regina Naumann aus Trutzhain bezahlt bei Marion Olbrich im Markt in Ziegenhain. Foto: Quehl

Schwalmstadt. Bei Schlecker in Schwalmstadt ist in diesen Tagen großer Abverkauf. Zwei langjährige Mitarbeiterinnen berichten uns wehmütig von dieser Zeit.

Über 20 Jahre hat sie Pampers und Kukident abgezogen, als Mutter von zwei heute längst erwachsenen Söhnen kam die gelernte Apothekenhelferin zu Schlecker. Heute ist sie 57, verwitwet. Gern wäre sie geblieben, aber bange machen gilt nicht: Marion Olbrich aus Felsberg hat sich bereits arbeitssuchend gemeldet, auch wenn sie die Kündigung noch gar nicht bekommen hat.

Eine alte Dame wünscht beim Kassieren Beratung zu Inkontinenzeinlagen. Zwei Türkinnen im Kopftuch lassen sich von Marion Olbrich ausrechnen, dass sie auf die goldgeränderte Lesebrille über den Daumen eine Ersparnis von 2,40 Euro haben. Sie kaufen und bekunden ihr Bedauern, dass die blauweißen Schleckermärkte nun überall aus den Dörfern und Städten verschwinden werden, genau am 29. Juni, so das rote Plakat an der Eingangstür.

Marion Olbrich ist nichts fremd. „Meine BLs waren meistens ganz in Ordnung“, erzählt sie gelassen. BLs, das sind die Bezirksleiter. Wenn es ganz unerfahrene Leute praktisch direkt von der Schulbank waren, war es manchmal nicht einfach. „Es gab immer einen Weg, jemanden los zu werden, aber ich bin noch da.“ Sogar vor dem vor dem Arbeitsgericht hat sie sich durchgesetzt, als sie aus finanziellen Gründen ihre Stelle von 20 auf 30 Stunden aufstocken wollte. Trotzdem hat sich Marion Olbrich immer mit dem Unternehmen identifiziert, hat bewusst Leistung gebracht. Dem Anton Schlecker hätte sie gern mal zugerufen, dass er sich gegen die starke Kritik zur Wehr setzen sollte. Aber sie und ihre Kolleginnen konnten sich nie ein Bild vom großen unbekannten Konzernlenker machen. Ein Gruß kam nie, keine gedruckte Weihnachtskarte, nichts.

Dabei hat die gepflegte, verbindliche Endfünfzigerin die Arbeit immer gern gemacht, „es gab auch gute Zeiten“. Zuletzt war sie Leiterin des Marktes in Wabern, bis der im Dezember 2011 schloss. Zuvor war sie vielerorts eingesetzt, bis hin nach Großalmerode, auch in Kassel, Filiale am Stern. Vielleicht deshalb hat ihr der große Ansturm seit vorigen Freitag nichts ausgemacht. „Eigentlich hat es immer Spaß gemacht.“

Die typischen beigefarbenen Metallregale haben sich auch im Ziegenhainer Markt schon stark geleert, Kinder kaufen sich Chips und Süßigkeiten. Regina Naumann aus Trutzhain nimmt noch einmal eine Tüte voll Waren des täglichen Bedarfs mit, die sie seit vielen Jahren regelmäßig hier einkaufte. „Es gibt immer sone und solche Kunden“, weiß Marion Olbrich, die den Leuten nichts aufschwatzte und damit gute Erfahrungen gemacht hat. Gern würde sie in einem der hoffentlich verbleibenden großen Märkte der Gruppe weiterarbeiten: „Ich lasse mich nicht unterkriegen.“

Quelle: HNA

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