Milana Bezr verließ wegen des Bürgerkrieges ihre syrische Heimat

+
Haben keine Angst mehr: Milana Bezr mit ihren Kindern Rosali und Vikan vor dem Asylbewerberheim in der Wolfhager Pommernanlage. Die Familie hofft, in wenigen Wochen zu Verwandten ins Ruhrgebiet zu ziehen.

Wolfhagen. Als Milana Bezr mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im Flugzeug nach Deutschland saß, empfand sie nur eines: Erleichterung. Kein Platz für Trauer um das, was sie zurückließ – ihre Eltern, ihre Wohnung, ihre Heimat.

Anderthalb Jahre hatte sie in Angst um ihre Kinder gelebt. Der Bürgerkrieg in Syrien ließ die 25-Jährige um das Leben ihrer Familie bangen.

Gewohnt hatten sie in Damaskus, das obwohl Hauptstadt, zu Beginn des arabischen Frühlings 2011 nicht so umkämpft war, wie die Hochburgen des Aufstandes Homs und Aleppo. Doch je länger der Krieg dauerte, desto näher und häufiger kamen die Anschläge in der von den syrischen Sicherheitskräften gehaltenen Stadt.

Nachts versuchte die junge Mutter ihre Kinder zu trösten, während die Häuserwände wegen der tieffliegenden Flugzeuge und detonierenden Bomben bebten; tagsüber saß die Familie vor dem Fernseher und weinte, angesichts des Leids in ihrer Heimat. Bewaffnete Männer wurden zum Alltagsbild auf den Straßen, Geschichten von entführten Mädchen machten die Runde in der Bevölkerung. Bezr entschied sich, ihre Tochter nicht weiter in die Schule gehen zu lassen. „Die Angst war einfach zu groß“, sagt sie. Die anfangs schwere Entscheidung das Land zu verlassen, wurde unumgänglich. Als es so weit war, waren Erklärungen bereits unnötig. „Die Kinder haben von ganz allein begriffen, dass wir weg mussten“, sagt Bezr.

Seit sieben Monaten ist Bezr nun mit ihrer Familie in Deutschland. Ihre Flucht war eine geplante Ausreise. Deutschland als Ziel stand von Anfang an fest, Bezrs Schwägerin wohnt in Bottrop. Mit deren Hilfe gelang es Bezr und ihrem Mann Visa für eine Ausreise in den Libanon zu bekommen. „Als die Visa da waren, hatten wir zwei Monate Zeit, um das Land zu verlassen.“ Aber die Angst um ihre Kinder trieb die jungen Eltern an. Nur zwei Tage später kauften sie an einem libanesischen Flughafen die Tickets nach Berlin.

Was mit ihren Möbeln, der Wohnung und ihrem restlichen Besitz passiert ist, weiß die Familie nicht. Auch zu Milana Bezrs Eltern, die in Damaskus blieben, haben sie seit mehr als zwei Monaten keinen Kontakt mehr.

Das Asylbewerberheim in Wolfhagen, in dem die Familie seit einigen Monaten lebt, ist für sie nur eine weitere Zwischenstation. „Noch zwei, drei Wochen“, dann sollen die nötigen Papiere ausgestellt werden, die einen Umzug zur Verwandtschaft nach Bottrop ermöglichen. So hofft es Bezr. Ihre Zukunft sieht die 25-Jährige in Deutschland. Denn dort fühlt sie das, was in ihrer Heimat für sie und ihre Kinder anderthalb Jahre lang gefehlt hat: Sicherheit.

Von Lasse Deppe

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare