Barbara Reinhardt kümmert sich um die Beerdigung eines Fritzlarer Urgesteins

Ein letzter schöner Tag

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Erinnerungen an Kerl-Heinz Eckerle: Barbara Reinhardt hat sich um die Beerdigung des Fritzlarers gekümmert, den viele als Josef aus dem Krippenspiel kannten.

Fritzlar. Ein echtes Fritzlarer Urgestein sei er gewesen, sagt Barbara Reinhardt. Mit einem bunten Cowboy-Hut zog er oft durch die Innenstadt, viele kannten ihn. Jetzt ist Karl-Heinz Eckerle tot.

Der ehemalige Bewohner der Hephata-Sozialpsychiatrie starb mit 67 Jahren an Lungenkrebs. Seine letzten Monate seien sehr hart gewesen, sagt Barbara Reinhardt - nicht nur wegen der Krankheit.

Sie ist empört darüber, wie Hephata mit dem schwerkranken Bewohner umgegangen sei, bei dem die Krankheit im Juli 2012 diagnostiziert wurde. Nach der Chemotherapie in Kassel kam Eckerle zurück in die Psychiatrie. Willkommen sei er da nicht wirklich gewesen.

„Man hat zu mir gesagt, die Pflege werde zu intensiv, er müsse in ein Heim gehen“, erinnert sie sich. Sie ist davon überzeugt, dass man auch einen Pflegedienst hätte beauftragen können. Das sei nicht möglich gewesen, sagte Hephata-Direktor Klaus Dieter Horchem auf HNA-Anfrage (siehe Artikel unten).

„Alles was sich Karl-Heinz immer gewünscht hat war, bis zu seinem Tod in seiner Hephata-Wohnung zu bleiben“, erzählt Reinhardt. Dort habe er sich wohl gefühlt. Besonders zur ehemaligen Heimleiterin Annemarie Fießler habe er ein enges Verhältnis gehabt. Nach ihrer Kündigung sei für ihn eine Welt zusammen gebrochen. Im Dezember war er verwirrt über die Straße gelaufen, direkt vor ein Auto.

„Er kam dann erstmal in die Klinik nach Kassel“, erzählt Barbara Reinhardt, die Eckerle schon seit vielen Jahren kennt. Ihre Tochter ging in die Kindertagesstätte Kinderarche, mit der die Hephata-Bewohner seit Jahren ein gemeinsames Krippenspiel aufführen. „Karl-Heinz war immer der Josef. So nannten ihn auch die Leute auf der Straße.“

Täglich Besuch

Nach der ersten Behandlung in Kassel sei er in die Klinik nach Fritzlar gekommen. „Von Hephata hat dort keiner Bescheid gegeben, dass er Psychiatrie-Patient ist. Auch von seiner Krankheit wussten die Schwestern nichts“, erinnert sich Reinhardt. Das wird von Hephata klar zurück gewiesen. Eckerle habe fast täglich Besuch bekommen, und das Krankenhaus sei über die Erkrankung im Bilde gewesen.

Nach seiner Entlassung kam Eckerle in ein Pflegeheim. Er sei ab da kein Hephata-Klient mehr gewesen. Eckerle sei als ein Sozialfall gestorben, für den sich niemand verantwortlich fühle, sagt Reinhardt.

Sie wollte unbedingt, dass Eckerle in Fritzlar begraben wird. „Günstiger wäre Diemelstadt gewesen. Aber ich bin sicher, das hätte er nicht gewollt“, sagt Reinhardt. Das Pflegeheim hat einen Antrag auf Kostenübernahme an das Sozialamt gestellt. Hephata erklärte, es könne die Beerdigung nicht bezahlen, dafür gebe es von den Kostenträgern kein Geld.

Barbara Reinhardt hat Gespräche mit dem Fritzlarer Pfarrer Wolfram Köhler geführt und die Beerdigung geplant. Es ist ihr wichtig, dass Eckerles Freunde Abschied nehmen können von ihrem „Josef“. • Beerdigung: Freitag, 12. April, 14 Uhr, neuer Friedhof in Fritzlar.

Von Moritz Schäfer

Hintergrund: Ambulante Pflege war nicht möglich

Hephata-Direktor Horchem antwortet auf die Vorwürfe: „Behauptungen sind ungerechtfertigt“

Die Klienten der Hephata-Sozialpsychiatrie in Fritzlar leben weitestgehend selbstständig. Karl-Heinz Eckerle habe in der Zeit vor seinem Tod vor allem Pflege benötigt, darauf sei die Einrichtung im Steinweg nicht ausgerichtet, die Mitarbeiter seien auch meist nicht pflegerisch ausgebildet. Das teilte Hephata-Direktor Klaus Dieter Horchem auf HNA-Anfrage mit.

Bereits im November 2012 sei mit dem gesetzlichen Betreuer Eckerles über eine andere Wohnform nachgedacht worden. Man habe ihn aber so lange wie möglich in seiner vertrauten Umgebung wohnen lassen wollen. Nach dem Unfall und dem Krankenhausaufenthalt kam Eckerle laut Hephata in eine Kurzzeitpflege. Hätte sich sein Gesundheitszustand gebessert oder wäre eine ambulante Pflege im Steinweg möglich gewesen, so Horchem, hätte Eckerle wieder in seine bisherige Unterkunft zurückkehren können.

Allerdings sei er noch in der Kurzzeitpflege verstorben. Eckerle sei im Krankenhaus an jedem Tag – mit zwei Ausnahmen – von Hephata-Mitarbeitern besucht worden. Die Informationen über die Erkrankungen seien der Klinik übergeben worden. Abschließend schreibt Horchem: „Sowohl Mitarbeitende als auch Klienten werden mit Behauptungen, wie den jetzt geäußerten, stark und ungerechtfertigt belastet.

Hephata Diakonie bittet um Respekt vor der fachlich und menschlich sehr guten Arbeit und den Persönlichkeitsrechten der Beteiligten. Dazu zählt auch die Veröffentlichung von Details aus dem Leben und der Begleitung von Herrn Eckerle.“ (ode)

Quelle: HNA

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