Begräbnisstätte aus der Vorantike bei Altendorf auf Sonnenaufgang ausgerichtet

Licht schien ins Keltengrab

Genau zwischen den Bergen: Zum keltischen Feiertag Samhain geht die Sonne genau zwischen dem Reißberg und dem Hinterberg auf. Das Steinkammergrab ist in diese Richtung ausgerichtet. Foto: privat/nh

Altendorf. Ein Phänomen, das Aufschluss über die Riten und Gebräuche der Menschen vor mehreren tausend Jahren geben könnte, ist derzeit am Eierfeld bei Altendorf zu beobachten: Wenn die Sonne aufgeht, scheint sie zwischen dem Reißberg und dem Hinterberg hindurch, genau in Richtung der Längsachse des Steinkammergrabes, das 1934 von Wilhelm Jordan auf dem Eierfeld entdeckt wurde.

„Das Grab wurde 1934 ausgegraben und komplett eingeebnet“, erklärt Klaus Albrecht. Der Hobby-Archäologe und ehemalige Lehrer aus Altendorf beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Gräbern aus der Zeit der Vorantike und ihrer Ausrichtung nach Sonne und Mond.

„Die Überreste von etwa 200 Menschen lagen in dem 23 Meter langen und drei bis vier Meter breiten Grab. An der Stirnseite befand sich ein Seelenloch.“ Durch dieses Loch, so Albrecht, schien um den 1. November und den 1. Mai herum die Sonne in die Grabkammer, sofern vorher der Stein vor der kleinen, runden Öffnung entfernt wurde.

Keltische Feiertage

„Diese Tage waren keltische Feiertage“, erklärt Albrecht weiter. Um diese Daten herum werden die Tage im Frühjahr länger und im Herbst kürzer. „An Belten, dem keltischen Feiertag um den 1. Mai, wurde die Wiederkehr des Lichtes nach dem dunklen Winter gefeiert. An Samhain, dem Feiertag um den 1. November, ging es um die Ehrung der Toten. Noch heute liegen Feste wie Halloween, Allerheiligen und Allerseelen um dieses Datum“, so Albrecht. Zusammen mit den Feiertagen Inbloc um den 1. Februar und Lungnasae um den 1. August hätten die Kelten das Jahr in vier Teile gegliedert.

„Jeden Tag verschiebt sich der Sonnenaufgang um ein oder zwei Minuten, und auch die Position, in der die Sonne am Horizont aufgeht, ändert sich um ein oder zwei Grad. Wer die Sonne zwischen den Bergen hindurch Richtung Grab scheinen sehen möchte, der muss sich beeilen“, fügt er hinzu.

„Die Längsachse des Grabes liegt etwa bei 113 Grad, so hat es schon Wilhelm Jordan gemessen. Es gibt natürlich Abweichungen, je nachdem, ob man vom geographischen oder magnetischen Nordpol oder dem Nordstern ausgeht“, so Albrecht.

Von Patrick Kessler

Quelle: HNA

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