Aufführung der Lukas-Passion von Georg Philipp Telemann im Fritzlarer Dom

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Starke Solisten: Vor dem romanischen Westportal des Doms zeigt das Foto von links Tenor I Jason Jaesuk Kim, Tenor II Manuel Ried, Sopranistin Julie Grutzka und Bassist Florian Dengler. Foto: Auerbach

Fritzlar. Es waren die Texte und Inhalte des Lukas-Evangeliums, die den Komponisten Georg Philipp Telemann vor 270 Jahren zu seiner Lukas-Passion von 1744 inspirierten. Telemann vertonte die Botschaft des Evangeliums mit ausdrucksstarker Musik und stellte sie in einer Grundstimmung voll erhabener, lichter Schönheit dar.

Unter der Leitung von Professor Siegfried Heinrich gelang den 50 Chorsängern, den vier Gesangssolisten und dem 14-köpfigen Orchester Virtuosi Brunenses eine großartige Aufführung dieses Oratoriums. In der besonderen Atmosphäre des St.-Petri-Doms zu Fritzlar bot der große Klangkörper schon äußerlich eine imposante Erscheinung.

Und er ließ innige und dramatische Klangbilder entstehen, die die Zuhörer in die Geschichte des Christentums versetzten. Nach Jerusalem, wo sich vor knapp 2000 Jahren das Drama um Jesus von Nazareth ereignete.

Was damals geschah begann am Ölberg im Garten Gethsemane. Weitere Ereignissorte waren das Haus des Hohepriesters Kaiphas, der Palast des Landesherrn Herodes Antipas und der Palast des römischen Präfekten Pontius Pilatus. Schließlich endete Jesus Leidensweg mit der Kreuzigung an der Hinrichtungs- und Begräbnisstätte Golgotha vor der Stadtmauer.

In der Passion berichteten Gesangssolisten den Bibeltext und sprachen die Worte der handelnden Personen. Sopran-, Tenor- und Bass-Arien drückten Gefühle aus, und eindringliche Chöre stellten die Stimmung des Volkes dar.

Mit feinfühligem Spiel bildete das Orchester einen herrlich warmen und akzentuierten Klangteppich, auf dem sich die gesanglichen Spannungsbögen von Klage, Verleugnung, Furcht, Erregung, Verzweiflung, Trauer, Tod und Hoffnung entfalteten. Das gut 100-minütige Werk forderte viel von Sängern und Musikern. Bestehend aus Mitgliedern des Hersfelder Festspielchors und des Frankfurter- und Marburger Konzertchors, beeindruckte der Chor mit faszinierendem, vielstimmigem Gesang. Dynamisch abgestuft machte er Affekte wie Erregung, Hass und Trauer hörbar. Auch die ausgezeichneten Gesangssolisten gestalteten ihre Partien mit Leben. Wundervoll rein aber durchaus auch expressiv klang Julie Grutzkas Sopran in den ausgedehnten Arien. Souverän betonte Tenor Jason Jaesuk Kim das Wichtigste in den Berichten des Evangelisten. Und die Tenorarien meisterte er mit brillantem Ausdruck. Als Tenor II gab Manuel Ried seine schöne Stimme dem Petrus und dem Pilatus. Den Aussagen Jesus verlieh Florian Dengler mit seiner kräftigen Bassstimme große Eindringlichkeit und Würde. Tiefe Emotion und religiöse Mystik verströmte der Chor im Schlusschoral.

Hier weist der Komponist auf die Bedeutung des Opfertodes Jesu für die Christenheit und die Hoffnung auf eine Erlösung im Reich Gottes hin: „So fahr ich hin zu Jesus Christ, mein‘n Arm tu ich ausstrecken, so schlaf ich ein und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken, denn Jesus Christus, Gottes Sohn, der wird die Himmelstür auftun, mich führ‘n zum ew‘gen Leben.“

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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