Die Musik von John Dowland traf in Gilsa auf die Gedichte von Robert Gernhardt

Von Liebe, Leid und Lust

Schmuckstück im Dorfkern: Die Patronatskirche in Gilsa war zum Konzert voll besetzt, an die 150 Gäste waren zur Veranstaltung des Kultursommers Nordhessen gekommen. Fotos: Dellit

Gilsa. Darauf muss man erst einmal kommen: Den englischen Komponisten und Texter John Dowland (ca. 1562 bis 1623) und den deutschen Dichter Robert Gernhardt (1937 bis 2006) aufeinander treffen zu lassen.

Der Kultursommer Nordhessen wagte das in der schmucken Patronatskirche in Gilsa unter der Überschrift „Der alte und der junge Dichter“. Katja Schild rezitierte Gernhardt-Gedichte, während Countertenor Franz Vitzthum und Lautenist Julian Behr Werke von Dowland und anderen vortrugen.

Über vier Jahrhunderte

Der Sprung über fast vier Jahrhunderte, der zwischen den beiden Dichtern liegt, gelang fast mühelos, was auch an der passenden Auswahl der Stücke lag. So wurde Gernhardts „Litanei vom Schmerz“ Dowlands bekanntes „In darkness let me dwell“ (zu deutsch etwa: „Lass mich in Finsternis hausen“) gegenüber gestellt.

Traurig und melancholisch ließ Vitzthum die Töne förmlich durch das Kirchenschiff schweben und noch den letzten Winkel erreichen, prägnant begleitet von der Laute.

Für etwas Verwirrung sorgte ein Zettel, den Kultursommer-Intendantin Maren Matthes durch die Reihen gehen ließ. Man möge doch bitte nicht nach den einzelnen Stücken, sondern erst zur Pause klatschen, wurde darauf gebeten. Das war offenbar der Wunsch der Musiker gewesen. Da der Zettel jedoch erst nach und nach alle 150 Gäste erreichte, hatte das den kuriosen Effekt, dass irgendwann die halbe Kirche, dann nur noch ein Drittel und bald keiner mehr applaudierte.

Nach der Pause erläuterte der Sänger, man habe manche Stücke als Einheit betrachtet und sich daher dort keinen Beifall gewünscht. Im zweiten, fröhlicheren Teil, sei das aber kein Problem.

Musikalisch und inhaltlich wurde es schwungvoller; Liebe, Leid und Lust waren die bestimmenden Themen – sei es in der gesungenen Anleitung zum Kuss von Andreas Hammerschmidt (17. Jahrhundert) oder in Gernhardts heiterem Gedicht über die Igel-Liebe.

Mit der Zugabe „Nun sich der Tag geendet hat“ wurde es nochmal besinnlich. Die letzten Töne verklangen, und draußen vor der Kirche trugen die Vögel von Gilsa ihren Teil bei zu einem großartigen Konzertabend.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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