Mit einem Mundartstück endete die 950 plus 50-Jahrfeier in Obergrenzebach

Liebe, Lust, Betrügereien

Obergrenzebach. Das Theaterstück „Dä ritze ruure Lippesteft“ (übersetzt: Der knallrote Lippenstift) bildete am Sonntagnachmittag den Abschluss der 950 plus 50-Jahrfeier in Obergrenzebach. Wochenlang hatte die extra für diesen Anlass gegründete Laienschauspielgruppe geprobt, rund 220 Zuschauer blickten gespannt auf die Bühne und ließen sich nach dem Öffnen des Vorhangs schnell von den Schauspielern in eine bäuerliche Welt entführen.

Das Bühnenbild zeigte eine Küche, wie sie wohl noch vor 50 Jahren in vielen Haushalten Obergrenzebachs gestanden hat. Liebevoll von Lothar Steinbrecher mit einem alten Holzkochofen und Details wie einer alten Waschmittelschachtel auf dem Geschirrtuchhalter ausgestattet. Die Geschichte selbst drehte sich um Liebe und Eifersucht, um Klatsch und Tratsch und um kleine Betrügereien unter Freunden: Fräulein Uschi – schön überdreht gespielt von Ruth Hentschel – verbringt ihre Ferien auf dem Bauernhof.

Dynamischer Jungbauer

Jungbauer Schorsch, Markus Mühling, gibt den dynamischen Draufgänger, interessiert sich so sehr für die junge Dame, dass er sogar durchs Schlüsselloch in ihr Zimmer späht. Magd Lizzy, mit ausdruckstarker Mimik und viel Mut zur Hässlichkeit hervorragend von Sabine Jäckel dargestellt, ist eifersüchtig und versucht der vermeintlich hübscher aussehenden Frankfurterin nachzuahmen. Sie findet den Lippenstift der Großstädterin und bemalt auch ihre Lippen, doch ihr Traummann erklärt lachend, sie sähe aus wie ein Clown.

Enttäuscht lässt Lizzy den Stift auf dem Tisch liegen, wo die Altbäuerin ihn findet. Die resolute Frau, wunderbar dominant von Ulrike Eisenhut verkörpert, nutzt den Stift, um ihrer Freundin Elsbeth – witzig von Elfriede Schäfer gespielt – einen alten italienischen Hahn als jungen Kraftspund zu verkaufen.

Den Hahn angemalt

Als diese den Betrug erkennt, will sie die Bäuerin ins Gefängnis bringen, doch Magd Lizzy erklärt, sie habe den Hahn angemalt. So rettet sie die Bäuerin vor dem Gefängnis und darf als Dank den Sohn heiraten.

Zuvor hatte der Altbauer – in ruhiger, aber verschmitzter Art von Bernhard Braun dargestellt – dem jungen Liebespaar bereits seinen Segen erteilt. In einer Nebenhandlung trat Lothar Steinbrecher als Bürgermeister Hühnerbein auf und spielte herrlich selbstironisch einen verliebten alten Gockel, der ebenfalls zum Schluss sein Glück mit der Frankfurterin findet.

Das Theaterstück mit seinen Verwicklungen und Anspielungen auf Obergrenzebacher Interna ließ das Publikum immer wieder herzhaft lachen. Einige kleine Textunsicherheiten überbrückten Ruth Schmidt und Sieglinde Mühling als Souffleusen. Die Technik bediente Holger Riebeling.

Das Publikum bedankte sich nach knapp zwei Stunden mit einem herzlichen Applaus bei den Schauspielern für die gelungene Aufführung.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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