Vereinigung Malerstübchen präsentiert Künstler Heinrich Otto in Alsfeld

Aus Liebe zur Schwalm

Um 1912 im Garten des Malerheimes Haase: (von links) Heinrich Giebel, Marlies Dörr, Hermann Kätelhön, Hermann Metz, Wilhelm Thielmann, Adolf Lins, Heinrich Otto und Carl Bantzer. Hermann Geißel (rechts) führte in die Ausstellung ein. Repro: nh/Foto: Schlitt 

Alsfeld. Mit Malereien, Radierungen, Zeichnungen und Holzschnitten des Künstlers Heinrich Otto präsentiert die Vereinigung Malerstübchen Willingshausen erstmals eine Ausstellung im Alsfelder Regionalmuseum.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Alsfelder Geschichts- und Museumsverein und dem Malerstübchen Willingshausen sei seit Jahren hervorragend, sagte Helmut Geißel, Vorsitzender der Willingshäuser Vereinigung. Die Willingshäuser Künstler hätten sowohl in der Schwalm als auch in Alsfeld gerne gemalt und gewohnt, so Geißel. „Die Verbindung Alsfeld-Willingshausen über die Kunst hat schon länger Bestand als jede Grenze.“

In seiner Einführung schloss sich Geißel einem Zitat Carl Bantzers an. Der ebenfalls in der Willingshäuser Künstlerkolonie tätige Maler kennzeichnete den aus Wernswig bei Homberg stammenden Künstler wie folgt: „Er war mit den besten Charaktereigenschaften ausgestattet. Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Güte, größte Gewissenhaftigkeit und Treue, Schlichtheit und Festigkeit, Fleiß und Beharrlichkeit in der Verfolgung seiner künstlerischen Ziele zeichnen ihn aus und all diese Eigenschaften spiegeln sich in seinem Werk wider.“

In einer großen Zahl an Gemälden und einer noch größeren an Zeichnungen, Radierungen, Lithographien und Holzschnitten zeige sich Ottos Meisterschaft sowie seine Liebe zu den ländlichen Motiven der Schwalm, die es auch in der Ausstellung zu erleben gibt: Landschaften, die nach dem Homberger Kunstsammler Horst Oltmer ziemlich sicher in der Nähe von Wernswig verortet werden können, Szenen aus dem bäuerlichen Leben aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des frühen 20. Jahrhunderts.

Geißel ging in seiner Einführung auch auf die Ausbildung des Künstlers ein: im Alter von 14 Jahren begann dieser eine Lehre bei einem Bildhauer in Kassel, später wurde er Schüler an der Kasseler Akademie. Immer wieder, so führte Geißel aus, habe es den Künstler nach Willingshausen gezogen, wohin er 1881 zum ersten Mal gekommen war. Er fand hier Malerfreunde, liebte die zwanglose Geselligkeit und das einfache dörfliche Leben. Je älter er wurde, so Geißel, umso mehr habe er sich mit der Landschaft verwachsen gefühlt.

Den Steindruck erlernte Otto um 1900. Sein geschickter Umgang mit zwei- bis dreifarbigen Lithographien brachte ihm hohe Anerkennung ein, 1901 erhielt er in Dresden die Goldene Staatsmedaille für die Lithographie „Mondnacht“. Geißel dankte in seiner Ansprache auch der Familie des mit Otto befreundeten Druckers und Verlegers Fritz Bagel, die dem Malerstübchen einen Großteil der Radierungen aus dem Nachlass zur Verfügung gestellt hat.

• Zu sehen ist die Schau mit Werken von Heinrich Otto noch bis zum 22. Oktober zu den Öffnungszeiten des Regionalmuseums.

Von Traudi Schlitt

Quelle: HNA

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