Ballett: Susan White verabschiedete sich mit einer perfekt inszenierten Choreografie

Liebe siegt über das Böse

Schwanensee in vielen Facetten: Mal modern, mal klassisch wurde die Geschichte von Prinz Siegfried und Odette erzählt.

Treysa. 25 Jahre lang leitete Susan White die Ballettschule in Treysa. Nach dem Vorbild der Royal Academy of Dance weckte sie in unzähligen jungen Menschen ihre Liebe zum Tanz, entdeckte ihre Einzigartigkeit und förderte ihre Talente.

Darunter auch Mira Schimanski, die künftig die Ballettschule leiten wird. Ein letztes Mal lud Susan White am Samstag in die bis auf den letzten Platz besetzte Festhalle nach Treysa ein, um sich von ihren Tänzerinnen, deren Eltern und den vielen Freunden des Tanzes mit einer grandiosen Ballettaufführung zu verabschieden.

Geschlagene vier Stunden versetzten die jungen Tänzerinnen das Publikum in Staunen angesichts der perfekt inszenierten Choreografie, der grazilen Leistungen, der berauschenden Musik und natürlich auch der wunderschönen Kostüme. Für ihren Abschied hatte die Engländerin mit ihren Mädchen eines der schönsten und kunstvollsten klassischen Ballette erarbeitet, den „Schwanensee“ – der Traum jeder Balletttänzerin. Kaum zu glauben, dass das Ballett bei seiner Uraufführung 1877 von Publikum und Presse gnadenlos verrissen wurde. Seit Samstag hat auch Treysa seine eigene Fassung.

Von der Chefin choreografiert, wurde es dezent modernisiert, als die Tänzerinnen in ihren hellrosa Jäckchen einen fetzigen Rock ‘n Roll aufs Parkett legten, die Schar überdrehter Amerikanerinnen ihre Kameras im Takt blitzen ließen, um das perfekte Promi-Foto des Prinzen zu schießen, oder die Zigeuner-Prinzessinnen beim Werfen ihrer Röcke die Goldmünzen fröhlich zum Klimpern brachten

Doch im Wesentlichen erzählten die jungen Akteurinnen mit ihren federleichten Sprüngen, den anmutigen Pirouetten und ihrer Zehenspitzenakrobatik die alte Geschichte: Prinz Siegfried (Anne Gela Körber) wird von Amors Pfeil getroffen und gesteht Odette (Sara Zängler) seine Liebe. Doch der böse Zauberer in seinem wallenden, schwarzen Umhang (Wiebke Keller) verwandelt sie in einen Schwan (Eileen Döring). Der Vollmond – vom Bühnenhimmel prächtig auf das nächtliche Schloss herabstrahlend – erlaubt ihr, ihre ursprüngliche Gestalt anzunehmen. Odette muss mit ansehen, wie Siegfried dem schwarzen Schwan Odile (Theresa Zängler) erliegt, bis die Tänzerschar im Schlussakt die Befreiung vom Bösen feiern kann.

Mit liebevollen I-Tüpfelchen, wie dem Füßewackeln der Babyschwäne, den goldigen Eichhörnchen und dem kindlich-quäkenden Pausenaufruf eroberten sich die jungen Grazien die Herzen des Publikums im Fluge. Jahrelanges Körpertraining, Bühnenpräsenz und schauspielerisches Können - all das strahlten Susan Whites Schülerinnen bis zur letzten Sekunde aus, ohne dabei auch nur einen Hauch an Ausdruck und Eleganz einzubüßen.

Nach einem feurigen Can-Can wurden die Zuschauer mit einem Finale der insgesamt über 100 Tänzerinnen vor dem roten Samtvorhang belohnt, das von gegenseitigen, warmherzigen Dankesworten von Susan White und ihren Tanzensembles geprägt war.

Von Dorothea Grebe

Quelle: HNA

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