Liebenbachbrunnen wird erstmals grundsaniert - Bauwerk ist 114 Jahre alt

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Erstmals große Baustelle: Der Liebenbachbrunnen in Spangenberg wird erstmals seit seinem Bau im Jahr 1902 grundsaniert. Im Bild von links Bauamtsleiter Jörg Emilius, die Jagdgenossen Markus Appell, Andreas Weiß und Bürgermeister Peter Tigges.

Spangenberg. Die Liebesgeschichte von Kuno und Else ist zeitlos schön wie eh und je. Ihr Denkmal hingegen, der Liebenbachbrunnen auf dem Spangenberger Marktplatz, ist in die Jahre gekommen.

Kein Wunder, schließlich steht der Brunnen seit 114 Jahren in der Altstadt, direkt vor dem Rathaus. Nun wird er erstmals grundlegend saniert. Denn er war undicht geworden.

„Wir mussten jeden Tag bis zu zwei Kubikmeter Wasser in den Brunnen füllen“, berichtet Bauamtsleiter Jörg Emilius. Dabei passen nur insgesamt drei Kubikmeter Wasser hinein. Das war vor zwei Jahren. Deshalb wurde die Brunnenwanne abgepumpt und steht seitdem leer.

Es gab Risse in den Sandsteinsegmenten und in der Brunnenwanne. Deshalb wurde die Brunnensohle neu betoniert. Und weil die neun Stahlanker, die die Wanne zusammenhalten, verrostet waren, mussten sie komplett erneuert werden. Vor einigen Tagen wurde Spritzbeton auf die Wanne aufgebracht. Damit dieser aushärten kann, wurde er mit Planen abgedeckt. Nach Angaben von Bauamtsleiter Emilius dauert das rund zwei Wochen. Anschließend erhält die Wanne eine wasserdichte Versiegelung und einen blauen Anstrich, „damit das Wasser im Brunnen immer schön blau aussieht“.

Finanzhilfe der Jagdgenossen 

Die Kosten für diese Grundsanierung betragen 9500 Euro. 7500 Euro übernehmen die Spangenberger Jagdgenossen. Nach Mitteilung ihres Vorsitzenden, Bürgermeister Peter Tigges, investieren die Jagdgenossen jedes Jahr einen Großteil ihrer Jagdpacht in Projekte für die Allgemeinheit. Der Brunnen-Zuschuss sei ein wichtiger Beitrag, sonst hätte sich die Stadt, die unterm Rettungsschirm stehe, eine solche Investition nicht leisten können.

In wenigen Wochen wird der Brunnen dann wieder sprudeln. Denn das Wasser wird über ein Pumpsystem in eine Minifontäne gepumpt. Von dort fließt es in das Becken und anschließend kaskadenartig in die Brunnenwanne. „Dann werden die Spangenberger Wasserspiele wieder fließen“, sagte der stellvertretende Jagdgenossen-Vorstand Markus Appell. Genau wie der Herkules hoch über den Kasseler Wasserspielen, sind auch Kuno und Else aus Kupfer und haben Patina angesetzt. Das nimmt dem Paar aber nicht die Schönheit - und erst recht nicht ihrer Liebesgeschichte.

Die Sage vom Liebenbach 

Mitte des 14. Jahrhunderts lebte in Spangenberg Bürgermeister Sinning. Seine Tochter Else sollte einen Mann von Rang heiraten. Else liebte jedoch heimlich Kuno, einen einfachen Bürgersohn.

Eines Tages erkrankte der Bürgermeister so sehr, dass er gelobte, dass Else an ihrem 21. Geburtstag den Mann heiraten dürfe, den sie liebte - wenn ihr Vater diesen Tag erlebte. Als mit der Genesung auch Elses Geburtstag heran kam, verkündete der Bürgermeister in einer Ratssitzung, der Stadt eine Wasserleitung zu geben, damit der Wassermangel ein Ende habe.

Frist von drei Monaten 

Kuno, der mittlerweile in Morschen das Böttcher-Handwerk erlernt hatte, kam zurück in die Stadt und zurück zu seiner geliebten Else. Er erhielt vom Bürgermeister die Aufgabe, innerhalb von drei Monaten die Wasserleitung fertigzustellen, ohne Hilfe eines Meisters, Gesellen oder Lehrlings. Else rief: „Ich bin nicht Meister, noch Geselle, ich darf ihm helfen und will dem Vater zeigen, was Liebe und Treue vermag.“

Ein Werk der Liebenden 

Die Liebenden machten sich ans Werk, hoben Gräben aus, fällten Bäume, schnitzten Röhren. Die Arbeit war schwer, und Else wurde von Tag zu Tag schwächer und schmaler. Die Angst, sie könnten die Frist versäumen, spornte das Paar immer wieder an. Und dann, am letzten Abend der Frist, leitete Kuno das Wasser in die Röhren. Die Spangenberger bejubelten die Wasserleitung und wollten das tapfere Paar heimholen zur glücklichen Hochzeit. Doch als sie hinauskamen vor die Tore der Stadt, fanden sie Kuno und Else dort, wo der Damm durchbrochen war - in kniender Stellung, sich im Tode umschlungen haltend.

Aus: Heinrich Wittmann, Stadt und Schloss Spangenberg, 1962.

Quelle: HNA

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