Polizei warnt vor Love-Scamming

Liebesbetrug: Frau aus Marburger Land überwies einem Fremden 110.000 Euro

Eine Frau aus Marburg-Biedenkopf hat einem fremden Mann ihre gesamten Ersparnisse überwiesen: laut Polizei 110.000 Euro. Er hatte ihr über das Internet eine Liebesbeziehung vorgespielt.

Als Romance- oder Love- Scamming wird die Masche bezeichnet, mit der sich die vermeintlichen Freunde erst das Vertrauen und dann das Geld und die Daten des Opfers erschleichen. Nicht selten bleiben verzweifelte Frauen oder Männer mit "gebrochenem Herzen" zurück. Eine betroffene Frau aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf erstattete jetzt Anzeige, berichtete die Polizei in Marburg.

Der Kontakt der Geschädigten zu dem vermeintlichen US-Soldaten erfolgte bereits im Februar dieses Jahres über ein Internet-Portal. Dem mutmaßlichen Betrüger gelang es in der Folgezeit, die 61-Jährige davon zu überzeugen, dass er in einer Notlage sei. In der Hoffnung auf eine Liebesbeziehung ließ die Frau alle Bedenken fallen und überwies in den nächsten Wochen auf Konten im Ausland ihre gesamten Ersparnisse. Der Schaden beläuft sich auf etwa 110.000 Euro, teilte die Polizei mit. "Das Geld wird wohl für immer verschwunden bleiben."

Wer sind die Betrüger? 

In der Regel handelt es sich um hochprofessionelle Banden, die bestens geschult sind, das Opfer um die Finger wickeln und intimste Informationen erfragen, so die Polizei. Da die Täter meist im Ausland sitzen, gestalten sich die Ermittlungen der Behörden entsprechend aufwendig und schwierig. In fast allen Fällen sehen die Opfer ihr Geld nie wieder.

Wie erkenne ich einen Liebesbetrüger? 

Die Täter sprechen oft gut Englisch. Wer auf deutschen Singleportalen mit einer kurzen, unpersönlichen Nachricht in englischer Sprache zum Chatten eingeladen wird, sollte hellhörig werden. Wenn sich der Partner dann auch noch als US-Soldat vorstellt, der gerade in Afghanistan im Einsatz ist, sollten alle Alarmglocken schrillen, denn eben diese Masche kommt derzeit häufiger vor. 

Die Profilbilder der Tatverdächtigen stammen häufig aus dem Internet, sind unscharf nur in kleiner Auflösung vorhanden und haben mit dem mutmaßlichen Betrüger nichts zu tun. Beim Chatten überhäufen die Betrüger ihr Opfer mit Liebeserklärungen und Komplimenten und stellen ein gemeinsames Leben oder gar eine Hochzeit in Aussicht. Die Täter bezeichnen das Opfer schnell als "Ehemann oder Ehefrau". 

Schnell wird dann eine Verbindung in das Ausland hergestellt. Entweder der Partner ist bereits im Ausland oder er muss aus dringenden beruflichen oder familiären Gründen dort hin. Die "Scammer" haben häufig eine Verbindung nach Westafrika und bitten um Geld, die Eröffnung eines gemeinsamen Kontos, den Versand von Päckchen oder um Ausweiskopien. 

Ein Tipp: Um einen ersten Verdacht zu bestätigen, kann man den Namen des Internetkontaktes mit dem Zusatz "Scammer" in eine Suchmaschine eingeben.

Tipps der Polizei

Bleiben Sie skeptisch und sagen Sie "Nein", wenn die Internet-Liebe Geld oder Daten fordert. Betrüger finden für alles eine Ausrede, auch wenn angeblicher Wohnort, Zielort und Adressat des Geldes unterschiedlich sind. Werden sie nicht zum "Zwischenhändler" für Waren, es besteht die Gefahr, dass Sie sich selbst strafbar machen. Scheuen Sie sich nicht die Polizei zu verständigen, wenn Sie Zweifel haben oder bereits auf einen Betrug reingefallen sind. Die Polizei wird Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Weiterführende Informationen zum Thema "Romance- oder Love-Scamming" gibt es unter www.polizei-beratung.de.

Betroffene aus Marburg-Biedenkopf, die sich bisher nicht gemeldet haben, können sich an das Fachkommissariat der Kriminalpolizei in Marburg wenden, Tel. 06421/4060.

Anfang des Jahres wurde bekannt, dass eine Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis einem Liebesbetrüger aufgesessen war, der jahrelang mit ihr gechattet und telefoniert hat. 

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