In der vollbesetzten Hospitalskapelle lauschten die Zuhörer Schumanns „Dichterliebe“

Von Liebesglück und Leid

Kammermusik: Bariton Hans Christoph Begemann und Pianist Thomas Seybold nahmen das Publikum in der Hospitalskapelle mit ihren Interpretationen der Schumann-Lieder gefangen. Foto: Decker

Treysa. Zu einem Liederabend unter dem Titel „Dichterliebe“ hatten die Organisatoren der Reihe „Neues in alten Räumen“ in die Hospitalskapelle in Treysa eingeladen. Vor dem Konzert gab der Schwalmstädter Pädagoge i.R. Walter Bornmann eine Einführung in das Leben und Werk von Heinrich Heine. Aus dessen lyrischen Intermezzo hatte sich Robert Schumann 1840 bedient und binnen einer Woche 20 Lieder geschaffen, die sich mit allen Höhen und Tiefen der Liebe befassten.

Als Sänger trat Bariton Hans Christoph Begemann auf, am Flügel begleitet von Thomas Seybold. Doch es sollte kein reiner Liederabend werden, sondern eher ein Gesprächskonzert. Bevor Begemann jeweils die Lieder klangvoll interpretierte, gab Seybold eine ausführliche Erklärung zu der Entstehung der einzelnen Lieder, zur musikalischen Umsetzung Schumanns, ja sogar zur Seelenstimmung des Musikers. Dies ermöglichte auch den Laien unter den Zuhörern noch einmal mit einem neuen Blick auf die einzelnen Textpassagen und musikalischen Feinheiten zu achten.

Sehr schön war die Erklärung, dass Schumann immer wieder den Namen seiner geliebten Clara in seine Musik eingebunden habe. „Das C und das A ist als Ton ja vorhanden, Schumann ersetzte das L im Namen mit dem Ton H und den Buchstaben R mit dem Gis, diese Tonfolge C,H,A,Gis,A taucht immer wieder in seiner Komposition auf“, erläuterte Seybold. Spannend war auch, wie Seybold in dem Lied „Im Rhein, im heiligen Strome“ typische Momente der Filmdramaturgie entdeckte. Zuerst gebe es mit dem Blick auf den Dom eine Totale, danach werde in den Dom hineingezoomt hin zu einem Marienbild. Die Interpretation des Liedes „Ich grolle nicht“ entlarvte Seybold als Ironie, da dieser Satz sechs Mal wiederholt werde. „Wer etwas so oft betont, dem glaubt man nicht“, so Seybold. Die gesangliche Interpretation Begemanns untermauerte diese Einsicht eindrucksvoll.

In der vollbesetzten Hospitalskapelle herrschte eine hochkonzentrierte Stimmung. Gespannt lauschte das Publikum dem variationsreichen Gesang des Baritons, wunderbar untermalt und verstärkt vom Pianisten. Die unvergleichliche Aura der Kapelle bot den idealen Raum für diesen ganz besonderen Kammermusikabend. Das Publikum bedankte sich mit anhaltendem Schlussapplaus, den die beiden Künstler nur durch zwei weitere Zugaben unterbrechen konnten.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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