Zwischenhändler sollen mangelhafte Materialien an Krankenhäuser geliefert haben

Ließ Medizintechnikhersteller B. Braun Dialyse-Pfusch zu?

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Eine Dialyse ist belastend: Bei der Dialyse oder Blutwäsche kommen verschiedene Verbrauchsmaterialien wie Filter und Konzentratlösungen zum Einsatz. Diese Konzentrate werden in den Körper geleitet.

Hat B. Braun über Jahre mit kriminellen Zwischenhändlern in der Ukraine zusammengearbeitet? Die Zeitung "taz" erhebt schwere Vorwürfe gegen den Melsunger Medizintechnikhersteller.

Die Händler – unter anderem wird eine Firma Medikalgroup genannt – sollen mit Wissen des Unternehmens viel Geld mit minderwertigen Dialyseprodukten verdient haben.

Das Geschäftsmodell der Zwischenhändler sah laut „taz“-Recherche folgendermaßen aus: Die Zwischenhändler von B. Braun warben bei Ausschreibungen und in Krankenhäusern zwar mit deutscher Qualität, lieferten nach einigen Wochen tatsächlich aber oft billige und mangelhafte Verbrauchsmaterialien an die Krankenhäuser. Viele Patienten, die diese Produkte erhielten, sollen nach der Dialyse über heftige Beschwerden geklagt haben. Die Fälle reichen bis ins Jahr 2015 zurück.

Die Autoren des Artikels wollen mit diversen Dokumenten eine enge Partnerschaft der Zwischenhändler mit dem Melsunger Unternehmen nachgewiesen haben. In verschiedenen Autorisierungsbriefen bestätige B. Braun für jeden Händler einzeln, dass dieser berechtigt sei, für eine bestimmte Ausschreibung Produkte des Medizintechnikherstellers anbieten zu dürfen.

Diese Zusammenarbeit bestätigt B. Braun: Die B. Braun-Tochter für das Dialysegeschäft, die B. Braun Avitum AG, sei in der Ukraine nicht direkt tätig, sondern vertreibe ihre Produkte über einen eigenständigen Händler, teilte das Unternehmen am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung mit.

„Alle für uns tätigen Händler verpflichten sich im Rahmen von Compliance-Erklärungen vertraglich dazu, die anerkannten Standards im Markt einzuhalten“, heißt es von B. Braun dazu. Seit dem Jahr 2017 arbeite man nur noch mit der Good Look GmbH zusammen. Mit diesem Zwischenhändler werde auch in anderen Ländern eine gute Zusammenarbeit gepflegt.

Zu den Vorwürfen, dass Unternehmen wie die Medikalgroup qualitativ minderwertige Produkte einsetzen, nimmt B. Braun nicht direkt Stellung. Das Unternehmen verweist aber darauf, dass ausschließlich Produkte vertrieben werden, die in den jeweiligen Märkten registriert und zugelassen sind. Diese würden vor der Auslieferung streng geprüft und erfüllten alle regulatorischen Anforderungen an Qualität und Sicherheit. „Nur für diese Produkte können wir als Hersteller die Verantwortung für das Inverkehrbringen übernehmen.“ 

„Als Hersteller von Medizinprodukten und pharmazeutischen Erzeugnissen haben wir uns der Gesundheit von Menschen verschrieben und würden es selbstverständlich ablehnen, mit einem Vertragspartner zu kooperieren, der durch patientengefährdende Geschäftspraktiken auffällt“, heißt es weiter. 

Entscheidend aber sei: In keinem der in der Berichterstattung der „taz“ genannten Fälle hätten sich Verdachtsmomente bestätigt. B. Braun sei trotz ergänzender, eigener Recherchen nicht bekannt, dass der Medikalgroup ein strafrechtliches Fehlverhalten nachgewiesen wurde. Aktuell werde in der Ukraine eine neue Generation von Dialysemaschinen eingeführt.

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Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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