Literarisch-musikalisch: Die Simmerings sind echt schräg

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So sind sie: Eine „Schrägansicht“ der Simmerings in der Bibliothek der Drei-Burgen-Schule in Felsberg. Sandra Bürger, Thomas Frankfurth, Eckhard Huneck und Doro Heimel (von links) begeistern mit ihrem Programm.

Felsberg. In ihrem neunten literarisch-musikalischen Programm mit dem Titel „Schräg“ balanciert das Quartett „Die Simmerings“ mit Worten und Liedern von menschlichen und sprachlichen Schrägansichten und Schieflagen.

Die seit 2004 agierende Gruppe sorgte in bewährter Weise für genussvolle Einblicke in aktuelle literarische Werke und Strömungen, verbunden mit textstarken und musikalisch gekonnten Liedvorträgen. Bei Texten von Stefan Gwildis und Janne Teller, aus „Wowoismus“ und Poetry-Slam hatte das Publikum jede Menge zu denken und zu lachen.

Wer ist nicht schon einmal hoffnungslos über einer Online-Übersetzung verzweifelt? Thomas Frankfurth gab eine solche zum Besten, die sich mit „Fels- und Knallmusik“ befasste, die mancher „Hauptstrom-Französisch-Sprachstern“ auch schon mal in Latein zu Gehör bringt.

Auch die Gedankenwelt des Durchschnittsmannes, hier Horst genannt, wurde verdeutlicht. Nach der intensiven Betrachtung des Phänomens „Horst und die Wahrheit“ konnte nur das Scheitern seiner Beziehungen zu Frauen als einzig logische Folgerung stehen. Großes Gelächter rief der Poetry-Slam-Text des Berliners Sulaiman Masomi „Ich weiß „Es“!“ hervor, der an einem einfachen, aber höchst wirkungsvollem Beispiel die möglichen Folgen von SMS-Botschaften verdeutlicht. In diesem Falle dient die an willkürlich ausgesuchte Adressaten versendete Behauptung der am Ende unkontrollierbaren und zerstörerischen Wahrheitsfindung. Das Lachen blieb irgendwann im Halse stecken bei der Wirkung des „Zaubersatzes“ „Die Leichen krochen aus den Kellern der Menschen in meinen Kopf“.

Das „Bratbrot“ von Stefan Gwildis trugen die vier Interpreten vollendet vor. Rhythmisch gleichförmig durch Stimmgeräusche untermalt, meisterten sie die geballten Alliterationen, Stabreime und Wortdreher von Schratfraß bis Schratrat und Schratbart in mitreißender Ernsthaftigkeit. Ein Ausschnitt aus Janne Tellers Buch „Nichts“ führt zu existenzphilosophischen Betrachtungen von Jugendlichen und führen auf ermutigende Weise nicht zu dem Schluss: „Das Leben ist die Mühe gar nicht wert.“

Auch Ernst Jandl und Friedhelm Kendler dürfen nicht fehlen, wenn es um Sprachakrobatik geht. Dort wird kräftig Wortfamilien-Arbeit betrieben, und am Ende weiß der Zuhörer alles über die etymologischen Ursprünge der Wörter Mama und Papa und deren Ableitungen Muttertion und Vaterlismus.

Jochen Malmsheimers Radio-Mitkochsendung „Kochen mit Jochen“ und Ausschnitte aus Horst Evers Buch „Für Eile fehlt mir die Zeit“ vermittelten lebenspraktische Erkenntnisse rund um die Kartoffel und den Fußball.

Das literarische Quartett aus Nordhessen fesselte ein Publikum aller Altersstufen und erntete Riesenbeifall für einen Abend voller Amüsement, Nachdenklichkeit und Musikalität. „Diese Abende haben einfach Stil und Witz“, meinte eine Besucherin. (zbg)

Quelle: HNA

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