Lkw-Fahrern droht künftig Strafe: Berufskraftfahrer müssen Seminar nachweisen

Wolfhager Land. Lastwagen-Fahrer, die den Lkw-Führerschein für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen seit mindestens fünf Jahren haben, dürfen ab dem 10. September dieses Jahres ohne den Nachweis von Weiterbildungsstunden keine Fahrten mehr im gewerblichen Güterkraftverkehr machen.

Eine Umfrage im Wolfhager Land ergab, dass viele Lkw-Fahrer die Frist für die EU-weit geforderte Weiterbildung wohl nicht werden einhalten können.

„Leider hat sich die Gesetzesänderung noch nicht bei allen, die es betrifft herumgesprochen“, sagt Jörg Schweitzer, zuständig für Aus- und Weiterbildung bei der Straßenverkehrsgenossenschaft (SVG), die auch eine Schulungsstätte in Niederelsungen hat.

Gordon Güde, Inhaber der Lkw-Fahrschule Güde in der Pommernkaserne ist bei den Schulungen an der Kapazitätsgrenze angekommen. „Bei uns rufen immer noch zwischen zehn und 20 Personen am Tag an“, so Güde. „Einige Fahrer haben die Frist verträumt“, lautet seine Vermutung. Zwischen 500 und 600 Schulungen habe er in den vergangenen zwei Monaten unter anderem in Wolfhagen, Kassel und Waldeck durchgeführt.

Ähnlich schildert die Situation Michael Weinholz, Inhaber der Fahrschule Weinholz, die Schulungen in Wolfhagen anbietet. Viele seien erst sehr spät zu ihm gekommen. „Entweder aus Unwissenheit oder weil sie zu spät davon erfahren haben.“ Es gebe auch Fahrer, die schlicht nicht wussten, dass die Weiterbildung verbindlich sei. „Ab dem 10. September dürfen viele nicht mehr fahren, da bin ich mir sicher.“

Gefordert wird im neuen Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz eine 35-stündige Weiterbildung innerhalb von fünf Jahren. Wenn diese bei Kontrollen nicht vorliegt, drohen Strafen von bis zu 5000 Euro für den Fahrer und 20.000 Euro für den Unternehmer.

Hintergrund

Das Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz - ist im Jahr 2006 in Kraft getreten ist. Mit diesem Gesetz hat Deutschland eine EU-Richtlinie umgesetzt, die Mitgliedstaaten verpflichtet hatte, regelmäßig an Weiterbildungen teilzunehmen, um die Sicherheit der Fahrer zu verbessern. Fahrer, die die Weiterbildung absolviert haben und ihre Bescheinigung bei der Führerscheinstelle vorlegen, bekommen die Schlüsselzahl „95“ eingetragen. Ausgenommen sind solche, die nicht gewerblich unterwegs sind. Außerdem gibt es eine Ausnahmeregel für Handwerker. Auskünfte erteilen die Führerscheinstellen sowie die IHK.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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