Lobby für seelisch Kranke: 25 Jahre Verein Psychosoziale Arbeit Breitenau

Rolf Peter Ligniez

Schwalm-Eder. Für Menschen mit seelischen Behinderungen sollte vor 25 Jahren eine Möglichkeit gefunden werden, außerhalb von Langzeitstationen in psychiatrischen Krankenhäusern zu leben. Am Freitag, 9. September, feiert der Verein Psychosoziale Arbeit Breitenau sein Jubiläum.

Von Guxhagen aus wurde Schritt für Schritt das Betreute Wohnen in Regie des Vereins auf - und im Laufe der Jahre ausgebaut, berichtet der Vereinsvorsitzende Rolf Peter Ligniez. Klinikmitarbeiter initiierten den Verein. Ihr Anliegen war es, Menschen, die ohne Aussicht auf eine Veränderung schon lange in einer psychiatrischen Klinik lebten, eine Perspektive zu geben.

„Die Idee war zu schauen, wer außerhalb der Klinik selbstständig in betreutem Wohnen leben konnte“, erzählt Ligniez, ausgebildeter Sozialarbeiter, inzwischen in der Freizeitphase der Altersteilzeit.

Anfang über politische Arbeit

1997 übernahm er das Amt von seiner Vorgängerin, der Pfarrerin Dagmar Henning. So rückte er vom Stellvertreter zum Vorsitzenden auf. Mitglied war er bereits seit 1988, damals noch als Mitglied der Partei „Die Grünen“, die sich in Guxhagen in dem Verein engagierten. So kam der 62-Jährige über seine politische Arbeit zu diesem Ehrenamt.

Man brauchte einen Träger für die Idee, Menschen, die in der Breitenau stationär betreut wurden, in selbstständiges Wohnen zu führen. Das konnte der 1986 gegründete Verein „Psychosoziale Arbeit Breitenau e. V.“ leisten. Damals gab es Zuschüsse über den Landeswohlfahrtsverband und auch ABM-Kräfte.

Anfangs lebten die Menschen eigenständig auf dem Klinikgelände, später im Sinne von betreutem selbstständigem Wohnen außerhalb.

Aber Wohnungen zu finden war damals schwer und ist es heute noch, erzählt Ligniez. Lange Zeit lebte eine Wohngemeinschaft in der alten Apotheke in Guxhagen. Ende der 80er-Jahre mietete der Verein ein Gemeindehaus, das für Büros und als Treffpunkt genutzt wurde. Der Verein wurde Arbeitgeber für Sozialarbeiter. „Um Klinikaufenthalte zu vermeiden, war soziale Betreuung nötig.“ Ziel sei auch gewesen, die Menschen wieder zu beschäftigen, auch jene, die nur ein paar Stunden am Tag arbeiten konnten.

Das war nur in Zusammenarbeit mit einem Partner zu schultern. So gründete der Verein 1995 mit dem Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) in Melsungen das Psychosoziale Zentrum Schwalm-Eder Nord als gemeinsame GmbH. In der ist der Verein bis heute, wie auch der AKGG, mit zwei Personen im Aufsichtsrat vertreten.

Man schuf die Stelle eines Geschäftsführers und führte die Bereiche Beschäftigungsstätten, betreutes/begleitetes Wohnen, Tagesstätte für seelisch behinderte Menschen, begleitetes Wohnen in Familie sowie psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen für Selbsthilfegruppen zusammen.

Geburtstagsfeier

Den 25. Geburtstag feiert der Verein am Freitag, 9. September, ab 14.30 Uhr im Gemeindehaus der ev. Kirche Guxhagen - mit Kabarett von Max Alter und Stefan Metz. Arbeiten aus der Tagesstätten Melsungen, Fritzlar und Homberg des Psychosozialen Zentrums Schwalm-Eder Nord sind ab Dienstag, 13. September, in der Kreissparkasse Guxhagen zu sehen.

Quelle: HNA

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