1000 Grad heißes Feuer

Lothar Keßler arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der alten Ehlener Schmiede

Dörnberg. Vieles hat sich verändert, dies gilt auch für die Berufswelt. Wir stellen in unserer neuen Serie deshalb einige altertümliche Berufe vor. Ebenfalls im Fokus stehen dabei die Menschen, die noch wie teils vor 100 Jahren arbeiten. Den Beginn macht Schmied Lothar Keßler aus Dörnberg.

Die Funken sprühen, als Lothar Keßler mit seinem Hammer auf das rot glühende Eisenstück mit voller Kraft schlägt. Im stakkatoartigen Rhythmus trifft das 300 Gramm schwere Werkzeug auf den Amboss, auf dem das zugeschnittene Eisenstück liegt. Noch sieht es unförmig aus, doch innerhalb von einer Stunde schmiedet der Dörnberger daraus ein Messer. Hoch konzentriert bearbeitet Lothar Keßler das Messer. Ihm bleiben nur ein paar Minuten, bevor das Eisen wieder abkühlt. Dann muss er es erst wieder erhitzen.

1000 Grad heiß ist das Feuer, indem Lothar Keßler das Messer immer wieder nach dem Schmieden erhitzen muss. „Das Schmiedehandwerk ist ein ganz hartes Handwerk“, sagt der 75-Jährige. Es gehe bis in die Bronzezeit zurück. „Man muss täglich den Hammer schwingen.“ Das koste nicht nur viel Kraft, sondern sei auch insbesondere im Winter schwer. „Vorne hat man das Feuer und hinten am Rücken ist es kalt.“

Das Schmieden begeistert den gelernten Maschinenschlosser seit 30 Jahren. „Mich fasziniert, wenn das Eisen warm ist und sich in alle Richtungen biegen lässt, wie ich es möchte.“ Neben Schmiedefeuer, Blasebalg, Amboss und Hämmern benötigt ein Schmied auch noch unzählige Zangen, mit denen er das Eisen festhält. „Alle anderen Spezialwerkzeuge fertigt man als Schmied selbst an.“

Früher war der Schmied aus dem Dorfleben nicht wegzudenken. „Nägel gab es nicht im Supermarkt, sondern nur in der Schmiede“, sagt Lothar Keßler. „Der Schmied war der Mann im Dorf mit dem sich keiner anlegte – weil ihn jeder brauchte.“ Heute habe der Schmied diese bedeutende Stellung verloren. Man finde gelegentlich auf Mittelaltermärkten noch Schmiede. „Aber das Schmiedehandwerk an sich ist tot.“ Heute mache alles die Maschine.

Besonders stolz ist Lothar Keßler auf seine selbstgeschmiedeten Schwerter und Helme. „Der Stolz meiner Arbeit ist der römische Gladius, mit dem die Römer ein Weltreich erobert haben.“ Wie viele Stunden Arbeit in dieser Handarbeit stecke, könne der 75-Jährige nicht sagen. „Mein Oberglanzstück ist das Schwert der Kelten.“ Auch seine Helme habe der Dörnberger alle selbst geklopft, gelötet und genietet.

Das Schmieden verlange auch genaue Kenntnisse über das Material. „Normales Eisen kann man nicht härten, denn da ist wenig Kohlenstoff enthalten.“ Nur aus kohlenstoffhaltigem Stahl könne man beispielsweise ein Messer schmieden.

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Uminski, Johanna

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare