Kreis hat vier Beauftragte, die ehrenamtlich für Menschen mit Handicaps da sind

Lotsen für die Behinderten

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Für die nächsten fünf Jahre engagieren sie sich als Beauftragte des Landkreises für die Belange Behinderter: von links Marga Fischer (Homberg), Helmut Daub (Schwalmstadt), Gustav Walter (Felsberg). Vorne Sigrun Gölling (Bad Zwesten, für den Altkreis Fritzlar), die zum ersten Mal dabei ist und als Behinderte, die als Folge eines Unfalles seit 35 Jahren im Rollstuhl sitzt, besondere Erfahrungen mitbringt. Außerdem im Bild: links hinten Asmuth Stüssel (Sozialamt), Landrat Frank-Martin Neupärtl und rechts Hans-Georg Gölling.

Schwalm-Eder. Sie haben einen amtlichen Ausweis, eine Visitenkarte und eigenes Briefpapier mit offiziellen Briefkopf. "Das ist tatsächlich wichtig, wenn man gehört werden will", sagt Marga Fischer aus Homberg. Sie ist eine der vier Behindertenbeauftragten des Landkreises Schwalm-Eder.

Und sie engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für Menschen mit Behinderungen, kämpft für deren Interessen, versucht, deren Ansprüche durchzusetzen.

Seit 2004 gibt es im Kreis das Ehrenamt des Behindertenbeauftragten, jeweils einen für einen der vier Altkreise Fritzlar, Homberg, Melsungen und Ziegenhain. Seit dieser Woche wurde ihr Auftrag per Urkunde für weitere fünf Jahre bestätigt.

"Sie sollen die Türöffner für Behinderte sein", sagte Landrat Frank-Martin Neupärtl bei der Übergabe der Urkunden. Behindertenbeauftragte kümmern sich zum Beispiel darum, dass Probleme im öffentlichen Raum, etwa bei Straßen, Kreuzungen, Gebäuden, aktenkundig werden und möglichst etwas dagegen getan wird.

Sie wollen außerdem Lotsen sein für Behinderte, ihnen zu ihrem Recht verhelfen im Dschungel der Behörden und Gesetze.

Im Gespräch nennen sie Beispiele aus der Praxis:

Ein fehlender Bürgersteig an der Bundesstraße in Wiera war moniert worden; dank des Einschreitens des Beauftragten wurde die Baustelle gestoppt und nach behindertengerechten Lösungen gesucht;

Eine behinderte Hartz-IV-Empfängerin musste umziehen, konnte aber die Kosten nicht zahlen; dank des Einsatzes des Beauftragten wurde ein Lösung gefunden.

Alle haben die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, den Menschen zuzuhören, ihnen tatsächlich ihr Ohr zu leihen. "Auf den Ämtern und in den Behörden haben die Mitarbeiter gar nicht die Zeit dafür", hat Gustav Walter aus Felsberg erkannt.

Es könne halt schon mal vorkommen, dass eine alte Dame am Ostersamstag anruft und sich über Lärm beschwert. In solchen persönlichen Notsituationen könne ein ehrenamtlicher Helfer vieles bewirken, indem er sich einfach kümmere, Gespräche führe, erläutere, zuhöre.

Häufig sind es die einfachen Sachen, die weiterhelfen: bei Behördengängen, Anträgen, Hindernissen. Manchmal stolpere man über die Dinge, sei natürlich auch sensibler geworden für die Belange Behinderter. "Ich fahre auf keinen Parkplatz, ohne nicht automatisch zu überlegen, ob genügend Raum da ist für Menschen mit Handicap", sagt Helmut Daub aus Schwalmstadt. "Man geht mit ganz anderen Blicken durch eine Stadt."

Neu im Quartett ist Sigrun Gölling aus Bad Zwesten. Sie bringt einen besonderen Aspekt mit in die Arbeit, denn sie sitzt selber im Rollstuhl und kennt die Schwachstellen rund um sie herum aus eigener Erfahrung. Sie weiß aber auch, dass nicht immer alle Wünsche bis ins Letzte erfüllt werden können.

Helfen, wo man etwas tun kann, den behinderten Menschen echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen: Darin sehen die vier Beauftragten ihre wichtigste Aufgabe. Ihr Wunsch für die nächsten Jahre: echte Mitsprache der Behindertenvertreter. "Viele Bürgermeister und Gemeindeverwaltungen reagieren leider immer noch nicht, wenn wir sie wegen eines Falles anschreiben", sagt Marga Fischer. Dafür sei die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung vorbildlich.

Für die Zukunft bauen alle Vier auf ein hoffentlich wachsendes Bewusstsein für die Belange behinderter Menschen.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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