Vorsicht vor angeblichen Ärzten

"Love-Scamming": So schützen Sie sich vor Online-Betrügern

Schwalm-Eder. Die Betrüger suchen auf Online-Partnerbörsen und in sozialen Netzwerken wie Facebook und Myspace nach Opfern. Markus Brettschneider, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder, erklärt das Vorgehen der Gauner.

Die Täter, vorwiegend Männer, gehen Mitgliederlisten in sozialen Netzwerken durch. Eine kurze Online-Einladung zum Chat dient vielen als Erstkontakt. Um sich beim potenziellen Opfer interessant zu machen, legen sich die Scammer (frei übersetzt: Betrüger) ungewöhnliche Lebensgeschichten zu – und sie hinterlassen immer einen seriösen Eindruck. Auch in Nordhessen sind sind die Betrüger mit ihrer neuen Masche derzeit aktiv.

Die Männer machen sich interessant. Wie geschieht das?

Es gibt typische Profile. Die Männer geben sich gerne als Soldaten, Ingenieure, Architekten, Soziologen, Konstrukteure in der Ölindustrie oder als Tierärzte und Computerspezialisten aus. Meist sind sie international tätig.

Auf den Fotos bekommen weibliche Opfer eine attraktive, weiße Person präsentiert. Und auch wenn die neue Bekanntschaft vorgibt, in Amerika oder im europäischen Ausland zu leben, so sitzen die Betrüger häufig in Westafrika. Davon merken die Opfer allerdings nichts, denn diese Chat-Bekanntschaften sprechen perfekt Englisch.

Männer gehören ebenfalls zu den Opfern. Arbeiten die betrügerischen Frauen mit denselben Profilen?

Frauen geben sich bevorzugt als Krankenschwestern, Ärztinnen, Mitarbeiterinnen im Waisenhaus oder als Lehrerinnen, Schauspielerinnen sowie als Geschäftsfrauen jeder Art aus.

Wie erschleichen sich die Täter das Vertrauen der Opfer?

Die Männer und Frauen schaffen es, sich unverzichtbar zu machen – und zwar ohne ein einziges Treffen. Auf eine romantische Mail am Morgen folgt ein kurzes Telefonat am Mittag, nach Feierabend wird gechattet und stundenlang telefoniert.

Bei den Gesprächen geht es zu Beginn nicht um Geld, sondern um den Beruf, die Familie sowie um Liebe und eine gemeinsame Zukunft. Oft werden Geschichten über verstorbene Ehepartner und Kinder aufgetischt. Wenn die Täter nicht schon dort sind, dann müssen sie dringend geschäftlich oder aus familiären Gründen nach Westafrika.

Dabei versprechen die Betrüger, dass sie ihre neue Liebe danach besuchen werden. Doch bevor oder kurz nachdem das Ticket nach Deutschland angeblich gebucht wurde, gibt es Schwierigkeiten. 

Was sind das für Schwierigkeiten?

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Überfälle, gestohlene oder konfiszierte Pässe, ein Krankenhausaufenthalt nach einem Autounfall oder Probleme mit Kreditkarten.

Und wie kommen die Täter dann an das Geld der Opfer?

Die Opfer werden gebeten, per Bargeldtransfer, zum Beispiel mit Western Union und MoneyGram, Geld zu senden. Die Liebe wird in solchen Bettelmails immer stark hervorgehoben.

Wollen die Täter dabei immer nur das Geld der Opfer?

Derzeit haben es die Betrüger vor allem auf ausländische Ausweispapiere abgesehen. Oft bitten sie ihre Opfer, ihnen Kopien von Pass und Reisepass zu schicken – mit der Erklärung, ein gemeinsames Konto eröffnen zu wollen. So können leicht Ausweise gefälscht werden. Begehrt sind auch Einladungen nach Deutschland als Unterstützung für einen Visumsantrag.

Wichtig: Wer eine ungewöhnliche Kontaktanfrage bekommt, sollte später niemals Geld überweisen, sondern immer die Polizei informieren.

Kontakt: Kriminalpolizei Homberg unter Tel. 05681/77410

Quelle: HNA

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