Geboren in der Schwalm: Pater Gereon Goldmann führte ein ungewöhnliches Leben

Lumpen für die Ärmsten

Ziegenhain. Kriegsdienst und Aufnahme in die Waffen-SS, Kontakt zu Widerstandskreisen, in geheimer Mission beim Vatikan und in französischer Kriegsgefangenschaft zum Tode verurteilt – ein unglaubliches Leben wird dem Franziskanerpater Gereon Goldmann bescheinigt.

In tiefem Glauben und geprägt vom Widerstand übersteht der Franziskanerpater die Zeit des Nationalsozialismus, überlebt Situationen, die er selbst als Wunder bezeichnete: 1939, kurz nach Abschluss seines Philosophiestudiums, wird er zur Waffen-SS eingezogen. Stationiert war Goldmann zunächst in Polen, später in Frankreich. Die Auszeichnung des Eisernen Kreuzes wird ihm wegen seiner Ordenszugehörigkeit verwehrt, um Offizier zu werden, hätte er aus der katholischen Kirche austreten müssen. 1942 muss Goldmann sich vor einem Kriegsgericht in Kassel wegen Wehrkraftzersetzung verantworten und wird zum Fronteinsatz in Russland verurteilt, kommt später ins Gefängnis und in Frankreich und Italien zum Einsatz.

Nach der Bekanntschaft mit Adam von Trott zu Solz ist Gereon Goldmann für den Widerstand aktiv. In diesem Zusammenhang fällt auch seine äußerst ungewöhnliche Priesterweihe, die ihm über eine Sondervollmacht des Papstes erteilt wurde, den er während eines Kurierdiensts für die Widerstandskämpfer kennenlernte. Es folgen Kriegsgefangenschaft in Frankreich und Marokkko, dort wird er zum Tode verurteilt und auf Fürbitte des Papstes begnadigt. 1947 kehrt er nach Fulda zurück und widmet sich dort theologischen Studien und ist als Seelsorger tätig.

1954 übernimmt der Franziskanerpater eine Gemeinde in Tokio. Bestürzt über das Elend in diesem Stadtbezirk fängt er an, Lumpen zu sammeln und aus dem Verkaufserlös Arme zu unterstützten. Seine Lumpensammler-Studienstiftung ermöglichte vielen Menschen Ausbildung und Studium. Später dehnte er sein Engagement auch auf Indien aus.

Mit seiner Hilfe wurde der Bau von Kirchen, Krankenhäusern, Heimen und Sozialstationen möglich. Das japanische Kaiserpaar würdigte persönlich seine Leistungen. Es wird geschätzt, dass Goldmann insgesamt Spenden in Höhe von 50 Millionen Mark sammelte.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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