Kritik bei Diskussion in Wolfhager Stadthalle

SPD macht mobil gegen neues Gesetz - Sorge um Kinderbetreuung

Meinungsaustausch: In der Wolfhager Kulturhalle wurde über den Entwurf zur gesetzlichen Neuregelung der Kindertagesbetreuung diskutiert. Am Mikrofon: Sabine Scherer.

Wolfhagen. Weniger Fachpersonal, weniger Zeit für Kinder und Eltern, verkürzte Öffnungszeiten und erhebliche Mehrkosten: Im von der Hessischen Landesregierung vorgelegten Entwurf zur gesetzlichen Neuregelung der Kindertagesbetreuung (HNA berichtete) sieht die SPD-Landtagsfraktion die Qualität der frühkindlichen Bildung massiv gefährdet.

Sie macht nun gegen das geplante Kinderförderungsgesetz (KiFöG) mobil. „Wir müssen die Kinder in den Mittelpunkt stellen, nicht die Betriebswirtschaftlichkeit“, mahnte Landtagsabgeordnete Brigitte Hofmeyer, auf deren Einladung am Freitagabend rund 100 Erzieherinnen, Eltern und weitere Interessierte in die Wolfhager Kulturhalle gekommen zu einer Diskussions- und Informationsveranstaltung gekommen waren.

Jugendamtsleiterin Sabine Scherer, deren Aufgabe im Falle eines Inkrafttretens des Gesetzes die Qualitätssicherung im Kreis wäre, stellte einen der wesentlichen Kritikpunkte von KiFöG in den Fokus: die Personalfrage. Ein Paradigmenwechsel, denn die Bezugsgröße für die Ermittlung des erforderlichen Personals sei nicht mehr wie bislang die Anzahl der Gruppen, sondern die Zahl der tatsächlich aufgenommenen Kinder.

Das könne dazu führen, dass die Gruppen künftig deutlich größer würden. Besonders problematisch auch, da Ausnahmefälle bei der Integration von Kindern mit Behinderungen nicht gesondert geregelt seien. „Aus Qualitätssicht wäre es sinnvoll, dies nicht umzusetzen, denn bei Integration geht es nicht ohne Reduzierung der Gruppengröße“, sagte Scherer. „Eine Reduzierung der Gruppengröße würde aber auch eine Reduzierung des Personals bedeuten.“

Kinder adäquat fördern

Daran will Carmen Ramos noch gar nicht denken. Die Leiterin der Wolfhager Kindertagesstätte „Haus der kleinen Füße“ sieht allein schon den Auftrag in Gefahr, Kinder ohne Behinderung adäquat zu fördern, bilden und betreuen. Das nämlich gehe nicht ohne qualifiziertes und engagiertes Personal, angemessene Lebens- und Lernräume sowie Zeit.

„Wir wissen nicht, wie wir dieses komplizierte Werk umsetzen sollen, mir fehlt da die Fantasie“, gab Thomas Raue, Bürgermeister der Gemeinde Habichtswald zu. „Hier werden Kosten produziert, die uns die Luft zum Atmen nehmen.“

„So ein Gesetz will ich nicht“, formulierte Dekan Dr. Gernot Gerlach seinen Zorn, dem einige KiFöG-Punkte „ganz unsinnig“ und „ohne erkennbare, politische Absicht“ erscheinen. „Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen“, stellte Erzieherin Alexandra Löber klar. Da herrschte Einigkeit, die nur der Wolfhager CDU-Politiker Thomas Haupt nicht zu teilen schien und die Diskussion als „Panikmache“ bezeichnete.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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