Kreis um Graf Stauffenberg: Der Treysaer Hans John wurde von der SS erschossen

Männer des Widerstands

Haus in der Burggasse in Treysa: Im damaligen Hotel Zur Burg lebte die Familie John. Foto: Grede

Treysa. Die Treysaer Hans und Otto John zählten zum harten Kern des Widerstandskreises um den Grafen Staufenberg. Während Hans – vermutlich von der SS – erschossen wurde, konnte Otto fliehen (Artikel unten).

Ende der 1930er- bzw. Anfang der 40er-Jahre arbeitete Hans John als Jurist und wissenschaftlicher Assistent bei Rüdiger Schleicher in Berlin. Schleicher war Ministerialrat im Reichsluftfahrtministerium. Im Juni 1940 wurde dann Hans John zur Wehrmacht eingezogen. Bedingt durch eine schwere Verwundung, die er im März 1942 an der Ostfront erlitt, wurde er als wehruntauglich erklärt und aus der Wehrmacht entlassen. Durch einen Kopfschuss, einen Schulterdurchschuss und einen Lungensteckschuss war seine linke Seite nun gelähmt.

Hans John ging nun zurück nach Berlin, um sich wieder seinen wissenschaftlichen Arbeiten an der Universität zu widmen. Wegen seiner verkehrsgünstigen Lage wurde das Institut für Luftfahrtrecht immer mehr zu einem Treffpunkt der Opposition im Hitler-Staat. Hierbei spielte der Mann aus Treysa von nun an eine zentrale Rolle. Schleicher ermöglichte John zahlreiche reichsinterne Reisen, um Kontakte mit Gleichgesinnten in anderen Städten aufzunehmen, u.a. zu Widerstandskreisen der evangelischen Kirche. So unterstützten Hans und Otto John, Otto war seit Anfang 1942 als Syndikus bei der Lufthansa in Madrid beschäftigt, den entflohenen Hauptmann Ludwig Gehre durch die Anmietung illegaler Unterkünfte.

Außerdem hatten Hans und Otto Kontakte zu den Widerstandskreisen im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht. Hinzu kam, dass Klaus Bonhoeffer, der Bruder vom berühmten Theologen Dietrich, Ottos Vorgesetzter war. So erhielt Otto z.B. am 23. November 1943 den Auftrag, über die amerikanische Botschaft in Madrid eine Verbindung zu General Eisenhower, dem Oberkommandierenden der alliierten Streitkräfte in Europa und Nordafrika, herzustellen. Und im Januar 1944 war es wiederum Otto John, der vorschlug, dass der Prinz Louis Ferdinand von Preußen, versuchen sollte, Kontakt zum US-Präsidenten Roosevelt zu bekommen, da die beiden sich von früher kannten.

Als die Brüder John dann von der geplanten Operation Walküre erfuhren, beschlossen sie, aktiv daran teilzunehmen. Sie waren dann sowohl intensiv an der Vorbereitung des Umsturzversuchs als auch am Attentat am 20. Juli 1944 beteiligt, obwohl die Gefahr bestand, dass Hans schon seit März 1944 überwacht wurde. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde zunächst Hans John, später auch Schleicher verhaftet.

John und Schleicher wurden am 2. Februar 1945  vor dem Berliner Volksgerichtshof von Roland Freisler als Widerstandskämpfer zusammen mit Klaus Bonhoeffer, dem Bruder von Dietrich, der gleichzeitig der Schwager von Schleicher war - im Wesentlichen wegen Nichtanzeige - angeklagt. John wurde anschließend in dem Zellengefängnis Berlin, Lehrter Straße, inhaftiert.

Am Abend des 22. April 1945, kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee, bekam Hans John mit 16 anderen Inhaftierten zusammen seine Papiere und Wertsachen in der Haftanstalt ausgehändigt. Nur wenige Sekunden später war er tot. Nähe des Bahnhofs Lehrter Straße in Berlin wurde er mit seinen Leidensgenossen von hinten niedergestreckt. Seine Mörder, ein SS-Exekutivkommando, wahrscheinlich von Reichssicherheitshauptamt zusammen gestellt, floh mit den Papieren der Ermordeten.

Viel spricht dafür, dass die Täter auf Befehl Himmlers gehandelt haben, der in letzter Sekunde noch Mitverschworene des 20. Juli beseitigen wollte.

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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