Vor 80 Jahren: Im März 1936 wurde in Ziegenhain der Reichsbauernführer bejubelt

Jubel in Ziegenhain: Zur Kundgebung mit Reichsbauernführer Richard Walther Darré waren vor 80 Jahren 12 000 Menschen auf die Lämmerweide gekommen. Foto: Archiv

Ziegenhain. Drei Tage vor der Reichstagswahl 1936 lockte der Reichsbauernminister Tausende nach Ziegenhain

Die Stadt war am 26. März 1936 rappelvoll, so etwas hatte Ziegenhain noch nicht gesehen - und das alles, weil sich ein Mann angekündigt hatte: der Reichsminister und Reichsbauernführer Richard Walther Darré. Überall hingen Reichsfahnen und Tannenzweige an den Häusern, dazu Spruchbänder, „die sinnvoll das Wollen des Volkes“ bekundeten.

Auf der Lämmerweide hatte man ein riesiges Zelt für den hohen Gast und die zahlreichen Besucher aufgebaut. Das Rednerpult war mit frischen Blumen geschmückt, vor ihm Stand eine Büste des „Führers“ und an der Stirnseite des Zeltes hatten Schwälmer Bauern in alter Tracht Aufstellung genommen. Mit ihnen waren ca. 12.000 Menschen auf die Lämmerweide gekommen.

Wie ein Gladiator

Gegen 15.30 Uhr war es dann endlich soweit. Plötzlich ertönte stürmischer Jubel vor dem Eingang zum Zelt. Nun begann eine perfekte Inszenierung. Sofort setzte die Kapelle mit dem Badenweiler Marsch ein. Darré betrat nun wie ein moderner Gladiator mit dem SS-Gruppen-Führer und preußischem Staatsrat Wilhelm Meinberg sowie mit Hauptabteilungsleiter Better durch ein Spalier, gebildet von SS- und SA-Männern, das Zelt. Immer wieder jubelten ihm die kurhessischen Bauern zu. Eine Gruppe von Schwälmer Bauernkindern in ihrer kleidsamen Tracht überreicht dem Minister einen Blumenstrauß, der ihn sichtlich erfreute. Es dauerte wohl, bis sich der Beifallssturm gelegt hatte.

Nun betrat der Landrat und Kreisleiter in einer Person das Rednerpult und begrüßte den hohen Gast mit einem dreifachen „Sieg Heil“. Tausende Kehlen stimmten dabei ein. Dabei führte er zum Schluss seiner Ansprache aus: „Wenn man auch in der Schwalmgegend nicht viele Worte mache, eines sei sicher: der kommende Sonntag werde beweisen, dass der Schwalmkreis treu zum Führer und Nationalsozialismus stehe“.

Reichsbauernführer Darré rechtfertige die Kündigung des Locarnovertrags, denn die westlichen Staatsmänner Europas haben nicht eingesehen, „[...] dass wir nichts anderes wollen, als nur Herr in unserem eigenen Hause sein“. Wenig später wurde er deutlicher: „Das Deutschland von heute sei [eines], mit dem man nicht mehr machen könne, was man wolle“.

Anschließend versicherte er, dass aber alles natürlich friedlich bleiben solle. Doch schon kurz darauf setzte er andere Akzente, in dem er ausführte: „Die Welt soll erleben, dass in Deutschland wieder die Ehre gilt, dass wir stolz sind auf unsere Ehre, dass wir glücklich sind, dass unsere Jugend wieder durch die Schule des deutschen Heeres geht“. Der Beifall der Anwesenden dort zeigte dem Reichsbauernführer, dass er hier den richtigen Ton getroffen hat.

Die Reichstagswahl:

Drei Tage nach dem Besuch Darrés in Ziegenhain , dem 29. März 1936, sollte im Deutschen Reich eine sogenannte Reichstagswahl stattfinden. Diese hatte mehr den Charakter einer Abstimmung, denn es gab auf dem Stimmzettel nur ein Feld zum Ankreuzen. Neben diesem stand fettgedruckt der Name Hitlers.

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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