Seit 40 Jahren wird in Zella Theater gespielt – Anfang März hebt wieder sich der Vorhang – 1600 Eintrittskarten

Magnet in Schwälmer Mundart

Viel Arbeit auch hinter den Kulissen: Walter Friedrich, Vorsitzender der Sängerchöre Zella, Anneliese Dörrbecker (rechts) und Christel Schwalm sind mit den Vorbereitungen beschäftigt. Foto: Rose

Willingshausen. Die Spielleidenschaft scheint den Zellaern im Blut zu liegen. Seit den 1950er-Jahren stehen die Dorfbewohner regelmäßig - immer im März – auf der Bühne. Seit 40 Jahren spielt die Truppe der Sängerchöre in Schwälmer Mundart.

Müde werden die Akteure scheinbar nie: „Einige spielen auch tatsächlich seit 40 Jahren mit“, sagt der Vorsitzende Walter Friedrich. Das Herzblut merkt man den Zellaern an. Denn seit Jahrzehnten sind die Theaterabende ein Magnet. 1600 Karten, verteilt auf fünf Vorstellungen, wurden in diesem Jahr gedruckt. Gerade mal 150 sind noch übrig. Werbung macht die Truppe kaum: „Das ist alles Mund-zu-Mund-Propaganda“, erklärt Friedrich.

Ihren Anfang nahm die Theatertradition in der Gaststätte Hanusch 1951. Mit dem Bau eines Saals gründete sich die Gruppe „Bechtels bunte Bühne“, benannt nach dem Akteur Wilhelm Bechtel. Mit heiteren und ernsten Stücken tingelte die Truppe auch durch die Nachbardörfer. Hobbymaler Heinz Henkel lieferte auf Leinwandtüchern die entsprechenden Motive für die Kulisse. Als das Fernsehen Ende der 50er-Jahre Einzug hielt, löste sich die Truppe auf. Die Kulissen fanden beim Männergesangverein Zella Verwendung, wo regelmäßig bunte Abende veranstaltet wurden.

1973 wagte man sich in Zella zum ersten Mal an ein Theaterstück in Schwälmer Tracht und Mundart. Sänger Georg Friedrich baute aus Dachlatten und Hartfaserplatten eine neue Bühne – sie wird in Teilen bis heute genutzt.

Die Zellaer Stücke stammen alle aus eigener Feder: Else Kessler, später Anneliese Dörrbecker und einige Jahre Annemarie Ferstl schrieben die Geschichten mit Lokalkolorit. Der Zuspruch ist nach wie vor enorm: „Nachwuchssorgen gibt es nicht. Wir haben oft mehr Schauspieler als Rollen“, erklärt Anneliese Dörrbecker.

Handschriftlich in den PC

Die Autorin schreibt alle Szenen handschriftlich auf. Tochter Christel Schwalm tippt den Text in den Computer ein: „Da die Schwälmer Mundart keine Schriftsprache kennt, wird alles in einer Lautschrift verfasst.“ Damit dem Publikum nichts entgeht, werden schwer verständliche Schwälmer Wörter auf der Programmrückseite „übersetzt“. Geplant sei eine gedruckte Ausgabe mit allen bislang gesammelten Wörtern. „Die Sprache ist ein wichtiger Kulturträger und soll nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Walter Friedrich.

WEITERE ARTIKEL

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare