1. WLZ
  2. Hessen

Maikäfer machen sich rar

Erstellt:

Von: Stefanie Lipfert

Kommentare

Der Maikäfer an einem Laubbaum.
Der Maikäfer tritt seit den 50-er Jahren nicht mehr verstärkt im Wolfhager Stadtwald auf. In Südhessen hingegen werden viele Maikäfer erwartet. © Foto: Matthias Balk/dpa

Der Maikäferflug startet nun in Südhessen, doch der Massenflug der Maikäfer bleibt in Wolfhagen aus

Wolfhagen – Bald ist es wieder soweit: Der Maikäferflug startet, allerdings in Südhessen. Alle vier Jahre ist Hauptflugjahr des Maikäfers im Hessischen Ried. Im Wolfhager Land macht sich der Käfer dagegen rar.

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) macht seit 2009 im Auftrag von Hessen Forst Probegrabungen zur Ermittlung der Engerlingsdichte jeweils in dem Jahr vor einem Hauptflugjahr. Ergebnis: Die Population bewegt sich langsam von Süden nach Norden.

Doch wie sieht es hier im Wolfhager Bereich aus? Uwe Zindel, Forstamtleiter des Forstamtes Wolfhagen, erwartet für dieses Jahr keine Massenpflüge für den Bereich Wolfhagen.

Schon seit den 50-er und 60-er Jahren sei der Wolfhager Wald nicht mehr von Maikäfern betroffen

Schon seit den 50-er und 60er Jahren sei der Wolfhager Stadtwald nicht mehr von vielen Maikäfern und starken Blattbefall betroffen, so Uwe Zindel. An ein hohes Vorkommen des hier heimischen Maikäfers kann sich vielerorts nur noch die heutige Großelterngeneration erinnern.

Denn der Nabu Hessen berichtet, dass während der 50-er Jahren verstärkt das Sektizid DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zum Einsatz kam, um den starken Verbreitung ein Ende zu machen. Ein anderer wichtiger Faktor, der den Maikäferflug zwischen April und Mai beeinflusst, ist das Wetter.

Die kühleren Temperaturen hier in der Region – im Gegensatz zu Südhessen – beeinflussen auch die Population der Maikäfer, erklärt Uwe Zindel. Gegenüber normalen Witterungsschwankungen sind die Maikäfer jedoch gut gewappnet.

Den größten Einfluss auf die natürliche Regulation des Waldkäferbestandes haben Bakterien und Pilze

Den größten Einfluss auf die natürliche Regulation des Waldkäferbestandes haben die Bakterien und Pilze im Waldboden. Die Entwicklung vom Ei bis hin zur fertigen Käfer beträgt im Hessischen Ried meistens vier Jahre.

Die Larven leben drei Jahre im Boden. Während der Vegetationszeit von April bis September befinden sich die Larven 20 Zentimeter tief im Waldboden, dort ernähren sie sich von feinen Wurzeln.

Im vierten Jahr schlüpfen die Maikäfer meist in der Zeit zwischen Mitte April und Anfang Mai.

Die Förster sehen durch die Massenvermehrung der Käfer die Wälder in Gefahr

„Während sich Naturfreunde auf ein nur alle vier Jahre stattfindendes besonderes Schauspiel freuen, sehen die Förster durch die Massenvermehrung der Käfer die Wälder in Gefahr“, kritisiert Markus Dietrich, Vorsitzender des Nabu, Region Kassel.

Nach ihrem Ausflug fressen die Maikäfer eine ganze Menge an jungen Blätter der Bäume, um genügend Energie für die Paarung zu haben. Besonders die Blätter der Rot-, Stiel-, und Traubeneichen, sowie Buchen sind sehr begehrt.

Jedoch erholen sich die meisten Bäume innerhalb von zwei Monaten. Problematisch hierbei seien jedoch die Larven der Maikäfer, sie stellen eine Gefahr für die neu gepflanzten Bäume dar, so Dietrich. Je mehr Maikäfer es gibt, desto stärker vermehren sich ihre natürlichen Feinde – wie zum Beispiel Vögel und Fledermäuse, aber auch bestimmte Parasiten, Bakterien, Pilze und Viren.

„Maikäfer müssen als Teil des Ökosystems und nicht als Feind des Waldes betrachtet werden. Die Natur reguliert sich von selbst und benötigt kein Eingreifen der Menschen“, bekräftigt Markus Dietrich. (Stefanie Lipfert)

Auch interessant

Kommentare