Bürgermeister kündigt Entschuldigung an

Bus kam nicht: Senioren standen im Regen

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Wer von Homberg über Lengemannsau nach Malsfeld fährt, der hat dieses Bild oft vor Augen: Direkt hinter Ostheim wabert morgens häufig eine riesige Nebelbank, die das Gewerbegebiet mit einem grauen Schleier überzieht. Am Samstag aber hatten die Malsfelder kein Problem mit Nebel, sondern mit dem Bus zum Seniorentag.

Malsfeld. Der Seniorennachmittag in Röhrenfurth stand unter keinem besonders guten Stern: Die Mörscher  fehlten, weil die Unterlagen auf dem Weg von der Kreisverwaltung zur Gemeinde verschwunden waren (wir berichteten). Auch die Malsfelder waren nicht dabei - sie warteten vergeblich auf den Bus.

Knapp 50 ältere Malsfelder hatten sich zur Veranstaltung in der Röhrenfurther Vierbuchenhalle angemeldet und sich pünktlich an den Bushaltestellen eingefunden. Vergeblich: "Wir standen da wie bestellt und nicht abgeholt", berichtete gestern Georg Richter aus Beiseförth. Nach einer Stunde Wartezeit hatte er aufgegeben und war wieder nach Hause gegangen. "Die hatten uns Beiseförther vergessen", mutmaßte der 83-Jährige.

Das stimmt so allerdings nicht, denn aus ganz Malsfeld fuhr niemand mit dem Bus nach Röhrenfurth es gab nämlich gar keinen. Das von der Gemeinde beauftragte Busunternehmen hatte einfach kein Fahrzeug losgeschickt.

Für Bürgermeister Herbert Vaupel war das auch gestern nicht nachvollziehbar: Er selbst habe den Auftrag unterschrieben, der sei auch definitiv per Post raus gegangen, sagte er. Auf seine Nachfrage, was da denn schief gegangen sei, habe das Unternehmen mitgeteilt, dass die Gemeinde keine Auftragsbestätigung geschickt habe und es deshalb den Auftrag nicht als Auftrag angesehen habe. Die Lehre, die er daraus ziehe: "Nächstes Jahr lassen wir uns den Eingang des Auftrags bestätigen und bestätigen diese Bestätigung dann selbst auch noch einmal." Vaupel ist die Geschichte sehr unangenehm: "Ich habe schon viel Schimpfe einstecken müssen", sagte er gestern.

Zu Recht, findet eine 90-Jährige aus Dagobertshausen. "Da rafft man sich schon mal auf und dann steht man eine Stunde lang umsonst auf der Straße herum", berichtete die alte Dame gestern am Telefon.

Christian Zeißler wurde zum Retter der 90-Jährigen. Der Dagobertshäuser wollte zusammen mit seiner Frau nach Röhrenfurth Zeißlers hatten Goldene Hochzeit und sollten deswegen beim Kreisseniorentag besonders gewürdigt werden. Erst hatte Zeißler beim Warten ein organisatorisches Problem vermutet: "Wie soll denn der Bus um 12.25 Uhr in Mosheim ankommen, dort viele ältere Menschen einsteigen lassen und schon fünf Minuten später in Ostheim vorfahren? Das geht doch gar nicht", sagte der 74-Jährige.

Als er begriff, dass der Bus nicht kommen würde, ging er nach Hause und holte das Auto. Zeißlers und ihre Mitfahrer kamen dann noch rechtzeitig dahin, wo an diesem Nachmittag keine Mörscher und nur wenige Malsfelder waren: in die Vierbuchenhalle. Doch während die einen dort nicht hinkamen, kamen die anderen dort wieder nicht weg. Als die Felsberger Senioren nach der Veranstaltung heim wollten, hatten auch sie ein Bus-Problem: Der hatte sich nach heftigem Regen am Seitenstreifen festgefahren. Die Felsberger hatten Glück. Sie stiegen in andere Busse, in denen noch Platz war.

Für die Malsfelder Senioren ist die Geschichte übrigens noch nicht zu Ende. Sie bekommen bald Post. Die Gemeinde werde sich fürs Ungemach entschuldigen, kündigte Bürgermeister Herbert Vaupel an.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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