Malsfelder Werkstätten: 30 neue Jobs für Menschen mit psychischen Problemen

+
Mann der ersten Stunde: Stefan Burckhardt ist einer der ersten, der das neue gemeinsame Angebot der Baunataler Diakonie Kassel und des Landeswohlfahrtsverbands Hessen nutzt. Sie haben dort 30 Arbeitsplätze für Menschen mit seelischen Erkrankungen geschaffen.

Malsfeld. Wenn Stefan Burckhardt morgens zur Arbeit kommt, hat er freie Platzwahl. Denn der Melsunger ist einer der allerersten, die das neue Angebot der Baunataler Diakonie Kassel (bdks) nutzen. Die bietet seit Monatsanfang 30 Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Erkrankungen in den Malsfelder Werkstätten an.

Stefan Burkhardt hat zwar bislang nur eine einzige Kollegin, doch Armin Gutwald, Bereichsleiter Arbeit bei der bdks, ist zuversichtlich, dass sich das bald ändern wird. „Die Nachfrage nach solchen Arbeitsplätzen ist hoch, die Wartelisten sind lang.“

Auf diese hohe Nachfrage reagierten nun die Baunataler Diakonie Kassel und der Landeswohlfahrtsverband (LWV) und erarbeiteten binnen weniger Wochen ein leistungsstarkes und zugleich kostensparendes Konzept: Statt einen Neubau zu erwägen, räumten sie eine Halle der Malsfelder Werkstätten leer, um dort seit Juli 30 Menschen eine Tätigkeit und damit einen strukturierten Tagesablauf bieten zu können.

Damit arbeiten nun sowohl geistig als auch seelisch Behinderte in Malsfeld zusammen. „Das ist eine Premiere“, sagt Herbert Oschmann, Leiter der Malsfelder Werkstätten. Er verweist darauf, dass beide Bereiche nicht voneinander abgekapselt, sondern ganz im Gegenteil, sehr durchlässig sind.

Bei Stefan Burckhardt, der gerade von der Einrichtung in Fuldabrück nach Malsfeld gewechselt ist, kommt dieses Konzept gut an, er kennt weder Berührungsängste noch Hemmschwellen. „Das ist gut: In den anderen Gruppen herrscht ja wesentlich mehr Leben und Fahrtwind als bei uns“, sagt er. „Bei uns“, damit meint der 52-Jährige den riesigen Raum, in dem er bislang nur mit Kollegin und Gruppenleiter Jürgen Krug arbeitet.

Der Melsunger fertigt zurzeit Dosierer für Seifenspender. Früher hat der ehemalige Chemiestudent mal eben in seiner Freizeit Bücher über Quantenmechanik gelesen, heute schätzt er seinen Arbeitsplatz in der Kabelkonfektionierung: „Die Arbeit in den Werkstätten ist für mich extrem stabilisierend“, sagt er, der schon lange in Einrichtungen der bdks arbeitet. „Zeit meines Lebens war ich von vielen Problemen geplagt - es ist einfach beglückend, keine zu haben.“

Solche Aussagen beglücken sozusagen auch Michael Conzelmann von der bdks: „Genau das wollten wir erreichen: Strukturen schaffen, in denen sich Menschen mit seelischen Problemen wohlfühlen können.“ (bra)

Mehr lesen Sie in der gedruckten Ausgabe

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare