Altkreis derzeit noch ausreichend versorgt

Mangel an Kinderärzten: Praxis in Wolfhagen sucht Kollegen

Nachfolger gesucht: Dr. Harald Becker möchte in den Ruhestand gehen. Viele junge Kinderärzte scheuen sich angesichts des wirtschaftlichen Risikos und dem hohen Arbeitseinsatz eine eigene Praxis zu übernehmen. Foto: Archiv

Wolfhager Land. Kinderärzte in Hessen schlagen Alarm: Sie fürchten, dass die ambulante medizinische Versorgung von Kindern im ländlichen Raum, aber auch in sozial schwächeren Stadtbezirken nicht aufrecht gehalten werden kann.

Während die Situation im Altkreis Kassel bereits angespannt ist, steht der Altkreis Wolfhagen aktuell noch gut da. In Wolfhagen gibt es zwei Arztsitze. Der eine wird von Dr. Angelika Manner besetzt, den zweiten teilt sich das Ehepaar Becker.

„Da ich in den Ruhestand gehen will, haben wir schon fünf Jahre nach einem Nachfolger gesucht“, so Dr. Harald Becker. Inzwischen war man teilweise erfolgreich. Seit kurzem wird das Team durch eine jüngere Kinderärztin verstärkt, die in einem halben Jahr die Arztstelle samt Praxis in der Kurfürstenstraße übernehmen könnte. Doch für einen Kinderarzt allein ist der Patientenstand zu hoch und die Aufgaben immens. „Wir haben bisher zu zweit gearbeitet und auch noch die medizinische Betreuung der Babys übernommen, die in der Kreisklinik geboren werden“, erklärt Becker. Hinzu kämen noch die Bereitschaftsdienste.

Nun bemühen sich die Beckers derzeit um einen zusätzlichen Arztsitz für Wolfhagen und eine weitere Kinderärztin oder einen Kinderarzt, der nach Wolfhagen kommt und diesen Platz besetzt.

Einige Allgemeinmediziner im Altkreis Wolfhagen behandeln auch Kinder, wie zum Beispiel die Ärztegemeinschaft in Zierenberg.

Wenn es im Wolfhager Land eng werden sollte, bleibt die Fahrt Richtung Kassel. Doch auch hier sieht die Situation nicht rosig aus. Wer mehrheitlich gesetzlich versicherte Patienten und nur wenige Privatpatienten versorge, komme kaum noch auf seine Kosten, sagt Kinderarzt Alfons Fleer, der auch Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte ist. Deshalb werde es auch in Städten wie Kassel zunehmend schwer, in weniger wohlsituaierten Stadtteilen einen Praxisnachfolger zu finden. Auch er selbst suche vergeblich nach einem Assistenten, der ihn vertritt. „Die ambulante Versorgung von Kindern und Jugendlichen wird absehbar infrage gestellt“, so Fleer.

Auch in größeren Städten wie Dillenburg, Wetzlar, Wiesbaden und Gießen werden vergeblich Nachfolger für Kinderarztpraxen gesucht.

Quelle: HNA

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