Beate Tohmé vom Kinderhilfswerk Global Care besuchte Flüchtlinge im Libanon

Es mangelt an allem

Fritzlar/Beirut. Die Schulen sind so überfüllt, dass längst nicht alle dorthin gehen können. Es mangelt an Strom und Wasser; das Land ist mit der Menge an syrischen Flüchtlingen völlig überforderte.

Die Situation im Libanon ist problematisch. Beate Tohmé, Mitarbeiterin der Fritzlarer Hilfsorganisation Global Care, hat das Land jetzt bereist, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Global Care hilft in Beirut und im Bekaa-Tal über vier Kirchengemeinden insgesamt 180 Flüchtlingsfamilien. Sie werden mit dem Nötigsten versorgt: Nahrung, Hygienebedarf, Babywindeln und Medikamente. Und sie bekommen Zuwendung, werden besucht und zu Veranstaltungen wie etwa Kinoabenden eingeladen.

Die meisten Flüchtlinge, die Global Care betreut, sind in Wohnungen untergekommen. Allerdings sind die Mieten hoch, 300 bis 500 US-Dollar müssen die Familien aufbringen. Die Lebenshaltungskosten insgesamt seien so hoch wie in Deutschland, manchmal noch höher, hat Tohmé erfahren.

Am meisten haben sie bei ihrer Reise in den Libanon die Geschichten beeindruckt, die ihr die Syrer erzählt haben. Da gibt es die Familie, deren 17-Jähriger Sohn sich in den Süden des Libanon durchschlagen wollte, weil er dort auf einen Job hoffte. Das Problem: Er hatte keine Aufenthaltsgenehmigung; an jedem der vielen Checkpoints an der Strecke hätte er festgesetzt werden können. Die Mutter bangte und bangte, bis die erlösende Nachricht kam, dass der Sohn unversehrt im Süden angekommen sei.

Oder die Familie aus Mutter, Vater und vier Kindern. Der Vater war zuerst in den Libanon gekommen und hatte einen Job als Concierge in einem Hochhaus gefunden. Die Mutter harrte mit den vier Kindern in Syrien aus; solange, bis eine Granate ihr Haus traf. Dann floh auch der Rest der Familie.

Doch im Libanon sind die Schulen so überfüllt, dass die älteste Tochter, 14 Jahre alt, keinen Platz bekam. Doch sie wollte unbedingt lernen. So trat sie den Rückweg in das Bürgerkriegsland Syrien an und wohnt nun bei den Großeltern. Zur Schule kann sie nun gehen, doch ihre Familie hat große Angst. „Für eine Mutter ist das kaum zu ertragen“, sagt Beate Tohmé.

Wenn sie den Vergleich zum Libanon zieht, wundert sich Tohmé über die Diskussion, ob Deutschland mit der Aufnahme der Flüchtlinge überfordert sei. Der Libanon habe vier Millionen Einwohner und zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Würde man das übertragen, müsste Deutschland mehr als 40 Millionen Menschen aufnehmen.

Die Mitarbeiter des Fritzlarer Hilfswerks wissen, dass ihre Arbeit nur ein sehr kleiner Tropfen auf einem sehr heißen Stein ist. Aber für 180 Familien ist er eine große Hilfe. • Global Care: KSK Schwalm-Eder, Konto 0120 000 120´, BLZ 520 521 54, IBAN: DE16 5205 2154 0120 0001 20, BIC: HELADEF1MEG, Verwendungszweck: 8770-011 Flüchtlinge Syrien / Nahost www.kinderhilfswerk.de

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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