Drei Jahre Haft - Angeklagter filmte mit Handy

Mann aus Schwalm-Eder-Kreis missbrauchte behinderten Jungen

Schwalm. Ein 37-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis musste sich jetzt vorm Landgericht Marburg wegen sexuellen Missbrauchs und Verbreitung pornografischen Materials verantworten und wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Sein Opfer war ein 14-jähriger Behinderter.

In Handschellen wurde der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Ihm wurde vorgeworfen, im Oktober 2013 einem Minderjährigen Filme mit pornografischem Inhalt gezeigt und sexuelle Handlungen an dem 14-jährigen Jungen vorgenommen zu haben. In diesem Zusammenhang soll er dem geistig behinderten Opfer laut der Anklage auch Geld geboten haben. Außerdem soll er während des Geschehens mit dem Handy selbst pornografische Videos aufgenommen haben.

Der Angeklagte räumte die Taten weitgehend ein. Der Junge habe spontan bei ihm übernachtet. Am Abend habe er mit ihm gemeinsam einen Pornofilm geschaut. Danach seien beide ins Bett gegangen. Während der Junge schlief, habe er seine Genitalien angefasst. Auch als er daraufhin aufwachte, habe er die sexuellen Handlungen fortgesetzt. Das Geld, so der Angeklagte, habe er dem Jungen jedoch lediglich geliehen. Dieser habe kein Geld bei sich gehabt, habe aber für seine Mutter einkaufen sollen. Ein Zusammenhang mit den sexuellen Übergriffen bestehe nicht.

Der 37-Jährige hat bereits Vorstrafen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Gemäß seiner Bewährungsauflage hätte er gar keinen Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen dürfen. Der Richter fragte ihn, wie es denn nun mit ihm weitergehen solle. „Ich sehe keine Perspektiven mehr“, antworte der reumütige Mann. Er berichtete, dass man ihn bisher nur mit Tabletten ruhig gestellt habe. Er wolle seine Probleme jedoch mit psychologischer Hilfe aufarbeiten.

Der Angeklagte ist nach eigener Aussage selbst ein Missbrauchsopfer. Über Jahre hinweg sei er Übergriffen ausgesetzt gewesen. Weitere Angaben wollte er dazu jedoch nicht machen.

Eine Psychologin, die als Sachverständige aussagte, bestätigte, dass der Mann unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leide. Er sei ein höchst unsicherer, in vielen Bereichen von anderen abhängiger Mensch. Das Rückfallrisiko sei hoch, einen Verdacht auf Pädophilie könne sie jedoch nicht bestätigen. Es sei schwer für ihn, Kontakt zu Erwachsenen aufzunehmen, sagte die Psychologin über den deutlich jünger wirkenden 37-Jährigen. Deswegen greife er wahrscheinlich notgedrungen auf Minderjährige zurück.

Diese Auffassung teilte auch das Gericht, das die Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Klinik anordnete. „Ich bin mir sicher, dass der Angeklagte ohne die Persönlichkeitsstörung die Tat nicht begangen hätte“, betonte der Vorsitzende Richter.

Von Selina Merle

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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